heute in hamburg

„Wir wurden als Kriegerinnen geboren“

Konzert „Somos Guerreras“: 21 Uhr, Hafenklang/Goldener Salon, Große Elbstraße 84

Interview Inga Kemper

taz: Frau Funk, der Name Ihrer Band„Somos Guerreras“ bedeutet auf Deutsch: „Wir sind Kriegerinnen“.

Audrey Funk: Wir sind Kriegerinnen, weil wir als solche geboren wurden. Wir haben uns nicht ausgesucht zu kämpfen – in unserem täglichen Leben, in unseren Familien. Wir kämpfen gegen das Patriarchat, weil es uns abfuckt, weil wir schon so viel durchmachen mussten. Wir leben in einer Region, wo Gewalt an der Tagesordnung ist.

Eine Kriegserklärung an das Patriarchat?

In vielen Bereichen ist es schwer, sich als Frau durchzusetzen. Als Musikerin ist es noch schwieriger, weil es keine Plattform gibt, keine Musikindustrie. Stattdessen gibt es viel Gewalt, weshalb die Leute nicht zu den Konzerten oder Workshops gehen können. Wir finden in unserer gemeinsamen Arbeit Hoffnung. Zusammen können wir unsere Karrieren als Musikerinnen aufbauen.

Wieso haben Sie sich das von Männern dominierte, oft sexistische Genre Hip-Hop ausgesucht? Um über Feminismus zu reden?

Wir haben uns Hip-Hop ausgewählt, weil wir es einfach lieben und es zu uns passt. In welchem Bereich auf der Welt gibt es keinen Machismo? Auf der ganzen Welt und in jedem Beruf haben wir das Problem, egal ob Frauen als Richterinnen, Ingenieurinnen oder Journalistinnen arbeiten.

Wen meinen Sie, wenn Sie rappen: „Vergesst nicht, dass der Hip-Hop dir und uns gehört“?

Ich habe diese Zeile geschrieben, weil Männer oft vergessen, dass wir auch zu dieser Szene gehören. Sie sagen, das, was wir tun, sei kein Hip-Hop, weil wir über Feminismus sprechen und kritisch sind. Sie machen Hip-Hop auf ihre Art und Weise und wir haben unsere. Wir wollen von ihnen respektiert werden, so wie wir sie auch respektieren.

Foto: privat

Audrey Funk, 29, hat mit Rebeca Lane und Nakury in Mexiko 2014 das feministische Rap-Trio Somos Guerreras gegründet.

Als Sozialarbeiterinnen arbeiten Sie mit Frauen und Mädchen. Hat das Einfluss auf Ihre Kunst?

Wir würden uns selbst nicht als Streetworker bezeichnen, wir reden in der Szene mit Frauen und Mädchen. Das ist so wichtig, weil gerade in Zentralamerika und Mexiko Hip-Hop eine Möglichkeit für Frauen und Mädchen ist, sich selbst zu empowern. Häufig werden Frauen aber zurückgewiesen oder nur als Freundin, als Objekt in der Gruppe akzeptiert. Wir wollen ihnen den Einstieg in den Hip-Hop erleichtern, sodass sie sich selbst Wissen aneignen können.

Wie wichtig ist es Ihnen, als Feministinnen wahrgenommen zu werden?

Wir sind feministisch, aber wir reden auch über Kolonialismus, Widerstand in unseren Regionen und Migration. Manchmal wird Feminismus in Europa nur auf Frauenrechte reduziert. Wir verstehen Feminismus als Menschenrecht. Wir reden nicht nur über uns als Frauen, sondern über unsere Gemeinschaft und welche Probleme es dort gibt. Auch in unserer Musik versuchen wir, traditionelle Hip-Hop-Elemente mit lateinamerikanischem Sound zu verbinden.