heute in bremen

„Das Gefühl für die Dringlichkeit wächst“

Foto: privat

Lisa Pörtner, 34, ist Ärztin und Sprecherin von Greenpeace Bremen.

Interview Simone Schnase

taz: Frau Pörtner, was unterscheidet die heutige Klimaschutz-Demo von den zahlreichen Demos in der Vergangenheit?

Lisa Pörtner: Das Besondere ist, dass sich hierfür ganz viele Organisationen zusammengeschlossen haben: Etablierte Umweltorganisationen wie Greenpeace, Nabu und BUND rufen gemeinsam mit den neueren Bewegungen wie Fridays For Future, Fossil Free oder Extinction Rebellion zur Demonstration auf.

Wie kam es zu diesem Zusammenschluss?

Wir sind schon seit ein paar Monaten im Austausch, weil uns beim Thema Klimaschutz alle das Gleiche eint und wir so unsere Kräfte bündeln können. Das Gefühl für die Dringlichkeit der Klimakrise wächst, und das zunehmend seit dem Sachstandsbericht des Weltklimarats im letzten Oktober.

Ist es überhaupt sinnvoll, dass es so viele einzelne Klimaschutz-Bewegungen gibt?

Ja, denn jede Bewegung hat ihre eigene Herangehensweise und erreicht unterschiedliche Menschen. Es ist begrüßenswert, dass die Bandbreite groß ist. Je mehr Menschen sich entscheiden aktiv zu werden, desto mehr können wir erreichen – vor allem, wenn wir uns zusammentun.

Finden auch in anderen Städten solche gemeinsamen Aktionen statt?

Großdemo „Klimaschutz jetzt!“: Samstag,11 Uhr Hauptbahnhof. Abschlusskundgebung um ca. 13 Uhr 30, Neustadtswallanlagen

Diese Großdemo ist bremisch. Bremen hat vor Kurzem gewählt, man befindet sich in den Koalitionsverhandlungen, die Weichen für die Zukunft werden also gerade gestellt. Bremen hat bei den Klimaschutzzielen komplett versagt – deswegen passt es sehr gut, heute hier gemeinsam Druck zu machen.

Was genau ist für den heutigen Tag geplant?

Es wird verschiedene Aktionen geben, unter anderem ein „Die-In“ auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke, um auf das Artensterben aufmerksam zu machen. Eine weitere Zwischenkundgebung wird es an der Kunsthalle geben. Besonders freuen wir uns auf ein Geschwisterpaar von der pazifischen Insel Tokelau, das zur Zeit im Klimahaus Bremerhaven zu Gast ist und über die Auswirkungen der Klimakrise auf ihre Heimat berichten wird.