wortwechsel

„Selbst Jesus wurde von einer Frau geboren“

Gegen die katholische Männerkirche hat sich in Münster weiblicher Protest formiert. Frauen rufen „Maria 2.0“ aus. Geht von der Stadt eine Revolution aus?

Katholische Frauen fühlen sich zum Schweigen gebracht Foto: Friso Gentsch/dpa

„Maria 2.0 kommt aus Münster“, taz vom 13. 5. 19

Geistliche Avantgarde

Die – demonstrative – Kritik der katholischen Frauen, insbesondere ihre Orientierung an der Rolle der Frauen zu Jesu Lebzeiten, ist sehr berechtigt und verdient allenthalben Respekt. Ein grundlegender Diskurs über die Entdiskriminierung von Frauen, die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Evaluation der Sexualmoral in das Hier und Heute und selbstverständlich die Beendigung auch der spirituellen Gewalt war bislang nicht möglich. Die Initiatorin des Mottos 2.0 und des Frauenstreiks gegen die Männerkirche, Lisa Kötter, hat die strukturelle Situation von Frauen in der katholischen Kirche sogar mit jener in einem Land wie Saudi-Arabien verglichen.

Die Katholikinnen, die nun streikend auf Missstände in ihrer Kirche aufmerksam machen wollen, können in der Tat zu einer geistigen und geistlichen Avantgarde für eine gerechtere und emphatischere Welt werden. Sie sind nunmehr bereit sich zu bewegen gegen das ausgrenzende und herabwürdigende Diktum einer im Denken und Handeln noch im Mittelalter verhafteten Institution. Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Letzte Warnung

Die Forderungen der katholischen Frauen sind essenziell, eine letzte Warnung, danach ist alles möglich. Den Augiasstall ausmisten, putzen können sie ja. Hoffentlich lassen sie sich nicht mit „Teilhabe“ abspeisen. Aber die katholische Kirche wird daran zerbrechen, weil die heutige katholische Kirche „allmächtige“ arrogante Männer sind. Solche Systeme lassen sich nicht reformieren, die Sowjetunion ist ein solches Beispiel. Das letzte Mal hat das bei der Kirche ein gewisser Herr Luther versucht und drüben hieß er Gorbatschow. Aber diesmal geht es um das weibliche „Prinzip Greta“. „Austritt ist für die Frauen ,keine Option‘, sie wollen die Kirche von innen heraus reformieren.“ Mit Maria 2.0 werden sie glaub-würdig. Glaube und Würde, das wird sie tragen. Sehr spannend. Klaus-Peter Klauner, Brühl

Reformverweigerer

„Gott sei Dank!“, möchte man sagen, dass katholische Frauen sich endlich ihrer Macht besinnen und den Gehorsam einer alten Männerkirche gegenüber verweigern. Im Neuen Testament liest man nichts von der „Ausschließeritis“ von Geschiedenen, Homosexuellen oder den Frauen. Jesus hatte eine einladende Kirche im Blick, keine Wagenburg für Reformverweigerer. Gut, dass die Ökumene voranschreitet, im Zweifelsfall auch ohne die römisch-katholische Kirchenleitung.

Die evangelische Kirche erlebt die Verkündigung der Botschaft Jesu durch gleichberechtigte Frauen schon längst als einen Schatz. Die altkatholische Kirche praktiziert seit Langem ebenfalls die Gleichberechtigung von Frauen im Priesteramt, den freiwilligen Zölibat und ein menschenfreundliches Verständnis von Sexualität. Damit fällt ein wichtiger Risikofaktor für sexuellen Missbrauch weg, und die römisch-katholische Kirche könnte sich und vor allem vielen Jugendlichen durch Reformen weiteres Leid ersparen. Vielleicht sollten die katholischen Frauen nicht nur symbolisch eine Woche streiken, sondern so lange, bis Frauen auch im Priesteramt der römischen Kirche eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Eine Männerkirche ist nicht frommer oder biblischer, sondern nur machtbewusster und oft weltfremder.

Bruno Hessel, Ennepetal

Religion bestreiken

Es fehlt bis jetzt die ursächliche Frage: Wurde Maria gefragt, ob sie geschwängert werden möchte? Antwort: Nein. War ihre Schwängerung dann ein Missbrauch oder nicht? Und falls die Schwängerung Marias ohne Penis und Orgasmus erfolgte: Was ist von diesem sexuellen Missbrauch zu halten? Im Übrigen erfolgte der Missbrauch angeblich, um ein Kind zu zeugen, das später gekreuzigt werden sollte. Letzteres, um das Rachebedürfnis des Schwängerers stellvertretend zu befriedigen. (So ein Täter käme heute in die Psychiatrie.) Ich empfehle dazu die Ausweitung des Streiks von Maria 2.0 auf die gesamte Religion – für immer. Theo Krönert, Kaisersbach

Abtreiben böse?

„Einfach ins kalte Wasser werfen“, taz vom 11./12. 5. 19

Normalerweise ist mir die Wochenendhomestory egal – diese aber finde ich perfide. Unter dem Homestorycover ein Artikel mehr mit der Botschaft: Schwangerschaft austragen ist gut – abtreiben ist böse. Wenn es nach der Protagonistin ginge, dürften Frauen nicht erfahren, ob sie gerade ein behindertes Kind austragen – und sich auch nicht für oder gegen die Schwangerschaft entscheiden. Die Protagonistin kümmert sich bewundernswert um ihr Downsyndrom-Kind – glücklicherweise kann sie dafür auch ohne jede Geldsorgen mal eben 4 Jahre – Ende offen – ganz zu Hause bleiben. Ihr Argument: „Sex hat man ja freiwillig – wer A sagt muss auch B sagen“, könnte auch von rechten Fundamentalisten stammen – oder die Protagonistin outet sich damit als solche. Was soll das? Klar ist es nicht einfach, jemand zu finden, die abgetrieben hat, das auch weiter gut findet und (!) es der Presse erzählt – denn wie gesagt, die Stimmung ist ja, auch dank der taz, zunehmend mehr klar: Austragen gut. Abtreiben böse. Vera Alwin, Berlin

Die Eberesche

„Eine von einer Million“, taz vom 11./12. 5. 19

In Wahrheit bin ich keine Esche und will hier jemand an die Wäsche, der letzten Samstag mir zuschrieb, ich sei ein junger Eschentrieb. Den bitte ich ganz ohne Panik: Grundlagenwissen in Botanik!

Die Esche ist ein würdig Baum, doch Verwandtschaft haben wir kaum. Wir sind so nah wie Mensch und Maus:Die leben auch im selben Haus. Und dennoch würde niemand denken, den Unterschied könn’wir uns schenken.

So ist es auch beim Schutz von Arten. Da kann das Wissen auch nicht warten. Denn wer mit Artenschutz hantiert und sich dabei enthemmt blamiert, der hilft der Sache wirklich nie und fördert schlechte Poesie.Nilan Ebert

Alles, was Plastik enthält

„Diese Tüte ist auch keine Lösung“, taz vom 14. 5. 19

Schon der Text auf Seite 1: „Wer als Supermarktkunde …“, zeigt, dass auch in diesem Artikel Klimaschutz und Umweltschutz einfach gleichgesetzt werden. Mag sein, dass eine Papierverpackung in der Klimabilanz je nach Studie mal (leicht!) hinten oder vorne liegt. Durch die Lappen geht der Autorin dabei aber, dass (unbeschichtete) Papierverpackungen in der Umwelt nach kurzer Zeit verschwunden, weil abgebaut sind – ganz im Gegensatz zu allem, was Plastik enthält. Zweitens wird mit keinem Wort der Umstand erwähnt, dass zahlreiche Einweg-Wegwerfartikel, bei denen es nicht auf besondere Hygieneanforderungen ankommt, wie bei Schreib-, Taschentuch- oder Toilettenpapier, immer noch sinnloserweise (muss es erlaubt sein, sich für Einmal-den-Hintern-Abwischen Bäume zu fällen?) aus neuer Zellulose hergestellt werden dürfen. Ein Verbot würde eine erhebliche Minderung des Rohzellulosebedarfs bedeuten. Markus Holt, Haltern am See

Tod in der Brötchentüte?

„Diese Tüte ist auch keine Lösung“

Es mag sein, dass die Ökobilanz von Papierverpackungen auch nicht berauschend ist, jedoch habe ich noch keinen Fisch und keinen Vogel gesehen, der in einer Brötchentüte verreckt ist. Es kann nicht nur um die Produktion gehen, sondern auch um das Danach. Und selbst wenn es nach Griesgram klingt: Vermeidung von Müll ist eine deutlich unterschätzte Alternative. F. Lothar Winkelhoch, Gummersbach