wie machen sie das?

Die Politische

Amelie Glienke, 74, alias HOGLI, lebt in Berlin und arbeitet als Kinderbuchillustratorin, Karikaturistin und Comiczeichnerin.

taz am wochenende: Frau Glienke, Sie zeichnen politische Karikaturen für Zeitungen, Magazine und Bücher. Wie machen Sie das?

Erstmal muss man politisch sehr interessiert sein, jeden Tag Zeitung lesen. Dann muss man ein bestimmtes Vorwissen haben und die Verhältnisse gut einschätzen können.

Wie schaffen Sie das?

Man muss Widersprüche aufdecken, nicht nur das abbilden, was man sieht. Witze machen reicht nicht. Man muss beim Betrachter auch was auslösen und das Denken anregen.

Was machen Sie, wenn Ihnen nichts einfällt?

Das ist schlecht. Dann nehme ich ein anderes Thema. Ansonsten unterhalte ich mich mit meinem Mann über mögliche Themen. Aber eigentlich kommt immer irgendwas.

Wie viele Skizzen machen Sie in der Regel bis zum Endprodukt?

Unterschiedlich. Wenn ich eine politische Persönlichkeit zeichnen möchte, die ich nicht so gut kenne, mache ich erst mal ganz viele Zeichnungen vom Gesicht und versuche, das dann so zu verzerren, dass es irgendwie komisch ist. Schöne Menschen lassen sich ganz schwer verzerren. Sie müssen ja dem Original ähnlich sehen und trotzdem etwas Komisches haben. Bart, Brille, Glatze, das sind alles so Zutaten, die willkommen sind. Aber bei Ottonormalverbrauchern, bei denen nichts besonders ist, keine große Nase, schräge Augen, ist das dann immer sehr schwierig. Manchmal gelingt es auf einen Schlag, manchmal brauche ich fünf, sechs Anläufe.

Haben Sie daran immer noch so viel Spaß wie früher?

Ja, und ein gutes Gefühl, wenn ich ein schwieriges Thema einfach und komisch auf den Punkt gebracht habe.

Hat sich die Art und Weise, wie Sie zeichnen, im Laufe der Zeit verändert?

Das wandelt sich automatisch. Es wird lockerer, man entwickelt einen Stil, sodass man wiedererkennbar ist. Bei mir bekommen alle Personen einen eigenen Charakter, dem man ansieht, welchem Milieu sie angehören.

Haben Sie sich auch thematisch sehr verändert?

Ich habe schon an der Hochschule der Künste politische Karikaturen gezeichnet. In den 70er- und 80er-Jahren ging es um große Mieterdemos gegen die Kahlschlagsanierung. Wir haben die Karikaturen auf Demo-Transparente übertragen. Das Thema ist ja wieder aktuell.

Für was steht Ihr Pseudonym HOGLI?

Holtfreter-Glienke. Das ist mein Mädchenname und der Name meines Mannes.

Woran arbeiten Sie gerade?

An einem Bilderbuch. Meine Tochter hat ein Gedicht geschrieben und ich zeichne dazu.

Interview Hannah Bernstein