specht der woche: Alle verdienen den Mindestlohn!
Christian Specht, 50, ist politisch engagiert und unter anderem Mitglied im Behindertenbeirat in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg sowie im Vorstand Lebenshilfe. Er hat ein Büro in der taz und zeichnet. Wenn er es zulässt, zeigt die taz sein Bild
Ich habe zwei Menschen gemalt, die in einer Werkstatt für Behinderte arbeiten. Sie sitzen an einer Werkbank mit zwei Bohrmaschinen und bohren Bretter. Die behinderten Mitarbeiter in diesen Werkstätten bekommen total wenig Geld, eigentlich kann man das nur ein Taschengeld nennen. Das Problem ist, dass sich die Leute dort nicht trauen, das anzusprechen und höhere Löhne einzufordern. Sie haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die nicht behinderten Menschen, die in diesen Werkstätten arbeiten, trauen sich auch nicht, sich kritisch zu äußern. Sie haben genauso Angst um ihren Arbeitsplatz.
Ich finde, jetzt ist die Zeit gekommen, etwas dagegen zu tun. Die Politik redet über Mindestlohn, aber nicht für die vielen Menschen, die in diesen Werkstätten arbeiten. Was mich besonders ärgert: Auch die Gewerkschaften setzen sich nicht dafür ein. Wie kann das sein? Wir brauchen ein breites Bündnis, das sich für Mindestlohn in den Werkstätten einsetzt.
Noch ein Problem: Wenn die Menschen aus den Werkstätten versuchen, auf den ersten Arbeitsmarkt zu kommen, um Mindestlohn zu beziehen, können sie nicht mehr zurück. Doch wenn sie dort keine Stelle bekommen, dürfen sie nicht mehr zurück in die Werkstatt für Behinderte. Sie sind dann arbeitslos. Protokoll: Markus Kowalski
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen