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Ein Actionfilm, der keine Tötungsart auslässt

„Buybust“ (Philippinen 2018, Regie: Erik Matti). Die DVD ist ab rund 13 Euro im Handel erhältlich.

Hauen und Stechen. Prügeln, Schießen, bis die Munition ausgeht. Treten, Schleudern, Würgen: Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, jedes Mittel ist recht. Ein Prolog: ein Verhör, Polizei-Training im Straßenkampf, man kennt ein paar der Protagonisten schnell ziemlich gut. Nina Manigan (Anne Curtis) vor allem, eine kompetente Polizistin, mit eigenem Kopf, nicht immer zur Unterordnung bereit. Ihren zögerlichen Anführer, der hier und später keine gute Figur macht, schon gar nicht mehr, als er dann tot ist. Und Rico Yatco, gespielt vom Mixed-Martial-Arts-Champion Brandon „The Truth“ Vera, dem philippinischen Pendant zu Dwayne „The Rock“ Johnson, der in seiner fast unbesiegbaren Rock-haftigkeit, auch in der In-Stein-Gemeißeltheit seiner Gesichtszüge The Rock in nichts nachsteht.

Nach dem Prolog geht es hinein. Ein Polizeitrupp will den Drogenboss Chongki in eine Falle locken, erst in den Straßen Manilas. Dann aber schlägt er einen anderen Übergabepunkt vor, in einem völlig unübersichtlichen Slum, dessen kreuz und quer gebaute Hütten aus Holz und Wellblech, dessen Gassen, Höhlen, Nischen, Kanäle schnell zum Labyrinth werden, in dessen Windungen sich die Polizisten hoffnungslos verirren. Denn schnell stellt sich heraus: Sie wurden ihrerseits in eine Falle gelockt, verraten von einem der Ihren, der sie kaltblütig auf diese Mission ohne Rückkehr geschickt hat.

Einen Abend und eine Nacht lang kämpfen sie dann um ihr Leben. Gegen den Drogenboss und seine Truppe, aber auch gegen die Bewohner des Slums, die ihn fürchten, die mit der Staatsmacht so und so nichts zu tun haben wollen, die zu Schüsseln greifen und Töpfen und Pfannen und allem, was zum Angriff eben zur Hand ist. „Buybust“ von Erik Matti ist ein Actionfilm, der keine Tötungsart auslässt, der alles zerstört oder wenigstens heftig lädiert, was im Weg steht. Körper vor allem, deren Verletzungen außerordentlich physisch gezeigt sind, was recht wirkungsvoll verhindert, dass man das Ganze mit einem Shooter verwechselt, an dessen Ende nach dem Durchlaufen immer schwererer Level eine Kämpferin dann triumphiert.

„Buybust“ ist brutal, roh, heftet den Blick auf Körper, die lebendes, zuckendes, leidendes, sterbendes Fleisch sind. Der Film ist aber – und das macht ihn eher ambivalent als seine Brutalität – auch atemberaubend virtuos inszeniert. Es gibt minutenlange ungeschnittene Sequenzen darin, in denen die ohnehin grandiose Handkamera der Action auf Schritt und Tritt, über Balken und Treppen, Stock und Stein folgt, mitten darin die verletzlichen, aber auch fast übermenschlich beweglichen kämpfenden Körper der Helden, für die es so wenig wie für die Zuschauerin eine Atempause gibt. Hinter jeder Ecke, auf jedem Dach, hinter jeder Wand des Slums, aus dem die Helden den Ausweg nicht kennen, lauert einer, der ihnen ans Leben will und auch kann.

Abrechnung mit Duterte?

Nur sind aber die Helden gar keine Helden, sondern eher zunehmend skrupellose Tötungsmaschinen, die in der Raserei sogar vor dem Abschneiden eines Kopfs nicht Halt machen können. Regisseur Erik Matti ist ein scharfer, in den Social Media lautstarker Kritiker des faschistischen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte und von dessen Kampf gegen die Drogenmafia, der auf Regeln, schon gar die der Gesetze, keine Rücksicht zu nehmen bereit ist. So versteht er „Buybust“ als Abrechnung mit der mörderisch verrohten Politik Dutertes, die gegen die das ganze System durchdringende Korruption – so die These des Films – ohnehin nicht ankommt. Zwei Stunden lang führt „Buybust“ die Schlachtung von Bauernopfern vor. Er tut das so brutal wie virtuos, aber ohne die leiseste Hoffnung. Ekkehard Knörer