meinungsstark

Er bitte auch?

„Darf sie mit ins Büro“, taz vom 21./22. 7. 18

Mit Interesse habe ich gelesen, wie groß die Akzeptanz für Hunde im Büro ist. Die Vorteile scheinen fürs Betriebsklima und die persönliche Arbeitsleistung beachtlich zu sein!

Da ich keinen Hund habe, möchte ich ersatzweise meinen Mann mit ins Büro bringen. Er ist seit Kurzem in Rente, und ich kann ihn schlecht allein zu Hause lassen.

Er verhält sich ruhig, haart nicht, ist nicht allergen und riecht nicht schlecht. Das Bindungshormon Oxytocin kann er selbstverständlich auch ausschütten. Er ist ausgesprochen freundlich und zugewandt. Mein Mann braucht den Vergleich mit einem Hund im Büro also nicht zu scheuen! Er lässt sich auch streicheln.

Lediglich das Schrubbeln an fremden Beinen und Sabbern an fremden Füßen und Händen lehnt er ab.

Barbara Schmitz, Solingen

Das „Gewese“ um das Haustierverbot

„Keine Hunde“, taz vom 21./22. 7. 18

Jede/r soll sich mit einem Haustier beschäftigen, wenn er/sie möchte – am Arbeitsplatz hat dies jedoch ganz einfach nichts zu suchen: Es ist Privatsache.

Ausnahmen sind selbstverständlich, wie bei Hanna Voß erwähnt, wenn Menschen aus Krankheitsgründen auf die Begleitung von Hunden angewiesen sind. Dass sie jedoch diejenigen, die mit Hunden nicht gerne Kontakt haben möchten, in eine „zusammenfantasierte“ Angstecke stellt, finde ich übergriffig – und völlig fehl am Platz, da es keiner Therapie bedarf, wenn ich mich der Mainstream-Tierverherrlichung nicht auch hingebe!

Diese Überbewertung von Tieren zeugt von der Dekadenz unserer Gesellschaft. In Supermärkten gibt es ein größeres Angebot an Tierfutter und Spielzeug für Tiere als für Kinder, und es ist bezeichnend, wenn es im neuen taz-Gebäude mehr „Gewese“ um das Haustierverbot gibt als um fehlende Kinderbetreuung. Die Bereitschaft, sich um Tiere „zu kümmern“, scheint unverhältnismäßig größer zu sein als die Bereitschaft, menschlich miteinander umzugehen. Mechthild Paus, Rösrath

Der Traum von der „Lesbian Nation“

„Das LAZ hat viel Tolles bewegt“, taz vom 13. 7. 18

Eine junge, „lesbisch lebende“ Frau, macht sich Gedanken über die Frauengruppe der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW) und das Lesbische Aktionszentrum (LAZ) aus gender- und queertheoretischer Sicht, redet von „Wertschätzung historischer Prozesse“ und hat es nicht einmal für nötig befunden, für ihre Masterarbeit mit den zum Teil noch sehr lebendigen Zeitzeuginnen in Kontakt zu treten, geschweige denn Gespräche zu führen.

Die Frage nach der Kompatibilität von Queer Theory und HAWF/LAZ soll ebenfalls thematisiert werden. Schon in einigen Passagen des Interviews blitzen verdächtig Totschlagsargumente der Queer Theory auf, die geeignet sind, die Lesbenbewegung der 70er Jahre zu diskreditieren, als da wären:

„Klassismus“, „Rassismus“, „Trans*feindlichkeit“ und „lesbisch-separatistische Bewegung“. Hier wird ein – an anderer Stelle zu hinterfragendes – Theoriekonstrukt, welches sich im Hinblick auf Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit fragwürdiger Begriffe bedient, in ahistorischer Weise einer 40 Jahre zurückliegenden Bewegung übergestülpt.

Die Selbstfindungs- und Selbstermächtigungsprozesse der Lesbenbewegung in der Bundesrepublik und ihre notwendigen Abgrenzungsmanöver gegenüber den in der Tat stärkeren Minderheiten wie den (bewegten) Schwulen und den (bewegten) heterosexuellen Frauen ist einer Situation geschuldet, in der Lesben „unsichtbar“ waren. Lesben wollten und sollten endlich sichtbar werden. Eine Vision, ein Traum wie „Lesbian Nation“ war ein Ansporn, um die täglichen Kämpfe durchstehen zu können. Stolz und Selbstermächtigung bei gleichzeitiger Bündnisoffenheit als „Separatismus“ zu diskreditieren, ist eine Interpretation aus der queertheoretischen Rückschau und wird der – historisch erstmaligen – bundesdeutschen Lesbenbewegung in keiner Weise gerecht. Gunda Schumann, Berlin