LeserInnenbriefe

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Herrliche Blumen – vernichtet

betr.: „Vermarktungsverbot für Gentech-Petunien“, taz vom 18. 5. 17

Diese kleine Nachricht hat mich tief erschrocken und muss alle biologisch informierten und um unsere Artenvielfalt besorgten Menschen sehr beunruhigen. Das ist „Fundamentalismus“– und der Schlusssatz unterstreicht das: „Zudem hat die Behörde die Vernichtung der Bestände angeordnet.“ Nur gut, dass man nicht erfährt, wer diese Behörde ist, mit der möchte man es nicht zu tun bekommen. Wenn GVO-freie Lebensmittel bevorzugt werden, weil der Verdacht auf Gesundheitsschädigungen angenommen wird, ist das verständlich. Aber bei Verdacht, dass eine Blumenfarbe nicht „natürlich“ entstanden ist, diese zu vernichten, ist lächerlich und zeugt von einer völlig falschen Auslegung von Verordnungen. Wie, meinen denn die „Experten dieser Behörde“, kommen die vielen verschiedenen herrlichen Farben einer Blumenart zustande? MANFRED HOFFMANN, Naunhof

„Saumagenburger“ für Touris

betr.: „Aufwachen, Rheinland-Pfalz!“, taz vom 20. 5. 17

Hallo Herr Weissenburger, die Darstellung unseres Landes als „fünf Hügel und dazwischen Flüsse. Hübsch da. Aber uninteressant“ beweist wieder einmal, dass es noch immer Menschen gibt, die noch nie hier waren. Im Fall Trump sind wir froh, auch darüber, dass seine Vorfahren ausgewandert sind. Merkel muss auch nicht unbedingt kommen, wir haben ja Julia, die wir eigentlich lieber loswerden wollen. Aber ein Redakteur der taz, das wäre mal was. Falls es Sie irgendwann in eines unserer Nachbarländer verschlägt und Sie den Mut besitzen, zu uns zu kommen und ein „Weinchen. Und in Tierorgane gestopfte Tierorgane“ zu probieren, werde ich Sie gern begleiten und die „marketing-technischen“ Probleme erörtern. (Wir haben für ängstliche Touris schon „Saumagenburger“ kreiert.) Wenn die Zeit reicht, können wir bis ans Weintor fahren. Sie werden staunen! Gruß aus de Pfalz: Nix fer uuguud! HARRY MATHÄSS, Ludwigshafen

NRW spart für die Zukunft

betr.: „NRW investiert in Tihange“, taz vom 24. 5. 17

Rentner verstrahlt, Rente gespart.

H.-P. LYDING, Bochum

Diesel-Winnie holt Sand

betr.: „Ich bin an Lösungen interessiert“, taz vom 20. 5. 17

Man muss Diesel-Winnie dankbar sein – als Kabarettist zumindest. Da hat der grüne Kretschmann doch wieder einen rausgehauen, dass sich die Felgen biegen. Natürlich fährt ein Grüner Diesel, bei Winfried gerade frisch gekauft. Warum auch nicht? Es kann ja immer mal vorkommen, dass man mal „eine Tonne Sand für einen Enkel transportieren muss“. Das würde einem jeder Autoverkäufer auch sagen, wenn man fragt, wozu man eigentlich einen Riesen-Dieselmotor-Stinker braucht: „Ja, wenn Sie mal eine Tonne Sand transportieren müssen …“ Das kommt öfter vor, als man so denkt, gerade als Ministerpräsident. Klar, nett von dem Opa, aber er könnte die Tonne Sand auch mit einem wirklich sauberen neuen Diesel-Lkw (doch, doch, da geht das …) liefern lassen und zum Ausgleich mal mit dem Lütten eine Fahrradtour machen, oder, Herr Ministerpräsident?

Er wohnt übrigens auf dem Land, da verteilen sich diese Stickoxide auch ein bisschen besser als an Stuttgarts Neckartor, dem sogenannten Dieselgate. Dahin fährt Herr Kretschmann dann seinen langen Weg zur Arbeit, weil es in einem gscheitn Auto ja nicht nach Dieselabgasen stinkt, sondern nur dahinter … Auf dem Land fahren eben keine Busse. Schon aus Tradition. Dafür spart der Diesel keine Leben: 11.400 Fälle vorzeitigen Ablebens in der EU werden geschätzt. (Man munkelt, alles arme Leute und Fahrradfahrer.) Aber den Herrn Ministerpräsident wird’s doch wohl nicht treffen? Und Kretschmann zum Thema Start-ups: „Eine von fünf Ideen ist grün angehaucht.“ Riesen grüner Erfolg! Vier nicht! Rechne ma’ so, Babo: Wenn die Wirtschaft mit vier Ideen wächst, die mehr CO2 erzeugen und die Umwelt belasten und einer Idee, die CO2 vermeidet und Natur schützt, wie viel CO2 sparen wir ein? Wie viel Natur bleibt dann übrig für deinen Enkel? Bingo, Opa. Hauptsache, ein Grüner sagt, alles wird gut. Bitte, Kretschmann, kämpfe nicht für uns!

MICHAH WEISSINGER, Essen

Ich hoffe trotzdem für Syrien

betr.: „Eines Nachts“, taz vom 22. 5. 17

Sehr geehrte Frau Kefah Ali Deeb, seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs verfolge ich die Meldungen. Drei Vorkommnisse gehen mir nicht mehr aus dem Kopf: Ein 13-jähriger Junge in Aleppo, in einem Krankenhaus, er wischte Blut vom Boden und half bei der Versorgung von Verletzten. Das zweite Bild: Geheimdienst verhaftet Noura al Jizawi und Ali Mahmoud Othman, denen eine Falle gestellt wurde. Dann die Entführung eines hohen oppositionellen Militärs aus der Türkei mit erzwungener Aussage im syrischen Staatsfernsehen. Weiter mag man nicht denken. Ich kann es nicht mehr ansehen, wie hier halb volle Teller in den Müll wandern, weil viele Leute jegliches Maß und Bewusstsein – was Lebensmittel angeht – verloren haben. Eine schon flegelhafte Unbekümmertheit und Selbstgefälligkeit ist zu beobachten. Ich hoffe trotzdem, dass wenigstens einige Leute sich eine Vorstellung machen, wie es in einer belagerten syrischen Stadt zugeht, wo keine normale Versorgung mehr stattfindet. Ich hoffe trotz alledem für eine gute Entwicklung in Syrien.

CLEMENS LUDEWIG, Hamburg