: Staub liegt in der Luft
Dreck Gerade in süddeutschen Städten atmen die Menschen derzeit ziemlich viel Feinstaub ein. Die Behörden setzen auf freiwillige Maßnahmen – das stößt auf Kritik
Foto: Lino Mirgeler/dpa
Von Svenja Bergt
Als Feinstaub gelten feinste Partikel in der Luft, die je nach Größe bis in das Lungengewebe oder sogar den Blutkreislauf vordringen können. In einem Bericht vom vergangenen November beziffert das Umweltbundesamt die durch die Feinstaubbelastung verursachten vorzeitigen Todesfälle in den vergangenen Jahren auf zwischen 40.000 und 50.000 jährlich. Herz-Lungen-Erkrankungen und Lungenkrebs verursache die langfristige Belastung bei Erwachsenen. Die kurzfristige Belastung führe dagegen gerade bei Kindern unter fünf Jahren durch akute Atemwegserkrankungen zum Tod.
Nürnberg ist nicht die einzige Stadt, die derzeit hohe Feinstaubmesswerte meldet. Stationen in München, Hagen, Würzburg oder Essen haben bereits zehn oder mehr der erlaubten 35 Überschreitungstage gesammelt. In Stuttgart herrscht seit zwei Wochen Feinstaubalarm, was aber nur heißt, dass die Bürger dazu aufgerufen sind, ihr Auto stehen zu lassen und auf das Nutzen von Kaminen, die nicht primär der Wärmeerzeugung dienen, zu verzichten. Die Emissionen, die von Straßenverkehr, der Landwirtschaft und sogenannten Kleinfeuerungsanlagen wie Öfen verursacht werden, gelten als Hauptverursacher von Feinstaub.
Für den vergangenen Samstag meldete Stuttgart für die Station am Neckartor 120 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Am Montag davor waren es sogar 188 Mikrogramm. Dass die Werte gerade akut hoch sind, führen Meteorologen auf die Inversionswetterlage zurück: Unten liegt kalte Luft, darüber warme, die verhindert, dass sich die kalte Luft darunter austauscht. Besonders in einem Talkessel wie Stuttgart macht sich das bemerkbar.
Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), kritisierte in der letzten Woche die Reaktionen auf die Feinstaubbelastung: „Trotz der bedrohlichen Luftqualität bleiben die Behörden untätig und sprechen hilflos Appelle an die Freiwilligkeit aus.“ Er forderte Fahrverbote, etwa nach norwegischem Vorbild. So untersagten die Behörden in Oslo angesichts überschrittener Grenzwerte bei Stickoxiden kürzlich die Nutzung privater Diesel-Pkws in der Innenstadt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen