Boxen

Die Öner-Bude

Seit 2006 mischt Boxpromoter Öner mit dem Stall "Arena" die Szene auf. Nun veranstaltet er mit dem Schützling Gómez seinen ersten großen Kampfabend in Berlin.

Castro schimpfte über die "deutsche Boxmafia": Kubaner Solis und Promoter Öner Bild: dpa

Ahmet Öner macht alles für seinen Erfolg. "Ich bin echt stolz darauf, diesen Kampfabend zu organisieren", sagt der 36-jährige Boxpromoter. Am Freitagabend lässt Öner in Berlin boxen. Mit Juan Carlos Gómez und Oliver McCall treten zwei frühere Weltmeister in den Ring. "Es ist mein zweiter großer Kampfabend und der erste große in der Bundeshauptstadt", sagt er. Damit alles ein Erfolg wird, hat er sich bei der Pressekonferenz auch zwischen die mächtigen Schwergewichtsboxer gesetzt. Er dolmetscht ins Englische, ins Deutsche, ins Türkische, und zwischendurch stellt er Gómez Armbanduhr. Ganz fürsorglicher Betreuer.

Der Boxmarkt, in den er seit 2006 mit seiner "Arena Boxpromotion" investiert, ist umkämpft. "In Deutschland habe ich harte Konkurrenz mit zwei anderen Promotern, deren Namen ich jetzt nicht nennen will." Es sind Wilfried Sauerland mit seiner Sauerland-Promotion in Berlin sowie Klaus-Peter Kohls Hamburger Universum Boxpromotion. Umkämpft ist der Markt, aber auch klar aufgeteilt: Sauerland ist mit der ARD verbandelt, Universum mit dem ZDF und den "ProSieben Fight Nights". Das DSF überträgt Kampfabende des kleinen Magdeburger Stalls SES, Sat.1 hat kein Interesse am Profiboxen, und RTL setzt nur auf sporadische Promiboxabende und hat sonst Einzelverträge, beispielsweise mit den Klitschkos. Da bleibt für Ahmet Öner nicht viel Sendeplatz. Er kooperiert mit dem Bezahlsender Premiere, aber Boxen ist nicht im Angebot des Premiere-Fußballabonnements. So fehlt sogar das bisschen Publicity, was Premiere herstellen könnte.

Seinen Platz erkämpfen, das nimmt Ahmet Öner, früher selbst Profiboxer, manchmal zu wörtlich. Im Mai 2007 kam es am Rande eines Kampfabends, den Universum ausrichtete, zu einer Schlägerei zwischen Kohl-Security auf der einen und Öner und Freunden auf der anderen Seite. Öner glaubt, ihm sei eine Falle gestellt worden. "Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Schläger mit Einverständnis des Veranstalters - zumindest nicht gegen dessen Willen - auf uns angesetzt waren", sagte er damals. Bei Universum spricht man von einer Provokation Öners, und ansonsten möchte man sich zum aggressiven Konkurrenten nicht mehr äußern.

Am Freitagabend geht Ahmet Öner mit seinen Boxern ins Berliner Estrel-Hotel. Da, wo Klaus-Peter Kohl mit den Klitschkos und Dariusz Michalczewski seine großen Erfolge feierte. Wenn am folgenden Tag Kohl mit seinem gegenwärtigen Starboxer Felix Sturm in Halle/Westfalen einen Kampftag hat, will Öner schon alle Boxschlagzeilen dominieren. Immer auf den Fersen sein, ist Öners Geschäftsprinzip. Juan Carlos Gómez boxt um das Recht, den Schwergewichtsweltmeister der WBC, Oleg Maskaev, herauszufordern. Öner hat Angst, dass ihn andere Konkurrenten ausbooten wollen. "Wenn ich höre, dass ein Kampf für Oleg Maskaev angesetzt wird, werde ich immer auch einen Kampf ansetzen", erklärt er sein Geschäftsprinzip, "damit ich reinswitchen kann, wenn der Gegner ausfällt."

Aggressiv an den Gegner rangehen, das ist Öners Art, und sie macht ihm Spaß. Anfang des Jahres holte er drei kubanische Olympiasieger - Odlanier Solís, Yuriolkis Gamboa und Yan Barthelemí - in seinen Stall. Schwergewichtler Solís wird am Freitag in Berlin auch kämpfen. Im August wollte er seinen Kuba-Coup wiederholen. Er überredete die kubanischen Spitzenboxer Guillermo Rigondeaux und Erislandy Lara, sich in Brasilien von der kubanischen Mannschaft abzusetzen und um politisches Asyl nachzusuchen. Doch Brasilien schickte die beiden wieder zurück nach Kuba, weil sie keine Papiere dabei hatten. Kubas Revolutionsführer Fidel Castro persönlich schimpfte über die "deutsche Boxmafia". Ahmet Öner genießt den Trubel sichtlich. Und ist sich sicher, dass seine Zeit noch kommt. "Die einzigen, die vor Juan stehen", sagt er über seine aktuelle Schwergewichtshoffnung Gómez, "sind Maskaev und Witali Klitschko." Maskaev ist Weltmeister, und Klitschko? "Der ist ja auch nicht mehr der Jüngste", sagt Öner. "Ob der wirklich zurückkehrt, ist unsicher." Hinter Öner, einem studierten Betriebswirt, stehen Geldgeber, die sich nur zum Teil zu erkennen geben. Ein großer soll aus der Wettbranche kommen. Von ihnen soll das Kapital stammen, mit dem er so lange durchhalten will, bis seine Arena-Boxpromotion Gewinn macht. Zurzeit hat Öner viele Klasseboxer unter Vertrag, vor allem Kubaner und Türken. Öner braucht aber für den deutschen Markt dringend einen deutschen Star, mit dem er an einen großen Free-TV-Sender rankommt. Arthur Abraham, dem Mittelgewichtsweltmeister, der bei Sauerland unter Vertrag steht, hat Öner drei Millionen Euro für drei Kämpfe geboten - doch Abraham lehnte ab. Zuletzt war Öner am Supermittelgewichtler Jürgen Brähmer, einem Universum-Kämpfer, dran, aber er kam nicht aus seinem Vertrag raus.

Der Boxpromoter Ahmet Öner wird wieder angreifen. Außerdem hat er mit Steffen Kretschmann und Konstantin Airich zwei junge Schwergewichtler unter Vertrag - deutsche Boxer in der Klasse, in der am meisten Geld verdient wird. Damit kann die harte Konkurrenz, deren Namen Ahmet Öner nicht aussprechen will, zurzeit nicht dienen.

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