Spielfilm über deutschen Kosovo-Einsatz: KFOR ist kein Ferienlager

"Mörderischer Frieden" zeigt Bundeswehrsoldaten 1999 im Kosovo. Er zeigt ihre Hilflosigkeit und sorgt mit seiner unbeholfenen TV-Kitsch-Symbolik für unfreiwillige Komik.

Natürlich darf die liebreizende blonde Arzttochter nicht fehlen. Bild: verleih: movienet

Diesen Winter kommt eine ganze Reihe von "Wir sind im Krieg und was nun?"-Filmen ins Kino. Zumeist sind es US-amerikanische Produktionen. Robert Redfords "Von Löwen und Lämmern" verhandelt den Afghanistan-Einsatz, Richard Shepards ebenfalls heute anlaufender "Hunting Party" fahndet in Bosnien-Herzegowina nach einem serbischen Kriegsverbrecher, Paul Haggis "In the Valley of Elah" beobachtet vom Irakkrieg traumatisierte, in die USA heimgekehrte Rekruten. Aber auch die Deutschen sind in Kriegsgebieten unterwegs und müssen zu Hause Legitimationsarbeit leisten. "Wir sind heute einer der größten Truppensteller für internationale Friedenseinsätze", verlautbarte Peter Struck bereits 2003. Trotzdem mag sich im Mutterland kaum jemand ausmalen, wie diese friedenssichernden Einsätze tatsächlich aussehen. Trotz Joschka Fischers Einschwörung, dass gerade die Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit eine moralische Pflicht zur militärischen Friedenssicherung hätten - die meisten knüpfen den wiederentdeckten neuen Patriotismus doch lieber an eine Fußballweltmeisterschaft, die bei gutem Wetter stattfindet. Auslandseinsätze fühlen sich eher unbehaglich an.

"Mörderischer Frieden" ist der erste Spielfilm des sonst fürs Fernsehen tätigen Rudolf Schweiger. Und er macht es sich nicht leicht. Denn Schweiger will aufklären. Weniger über die vertrackte politische Situation im ehemaligen Jugoslawien als über "uns" im Krieg. Oder besser: Über unsere jugendlichen Stellvertreter im Kosovo. Rund 2.500 Soldaten sind heute dort stationiert. "Authentizität war die oberste Prämisse", sagt Schweiger in einem Interview. Er betont, wie gerne ihn die Soldaten vor Ort beraten haben. Die Führung der Bundeswehr hingegen zeigte sich insbesondere nach dem Regierungswechsel skeptisch und fürchtete einen irreparablen Imageverlust. Zu den Drehzeiten stand der in Deutschland sehr unpopuläre Einsatz im Kongo bevor.

Schweigers Protagonisten heißen Tom (Adrian Topol) und Charly (Max Riemelt). Sie sind hübsch und gut erzogen. Das Testosteron pulsiert freudig durch ihre uniformierten Körper. "Ist ja wie bei uns. Keine Zukunft, aber immer lustig." - "Wieso, kommst du aus Polen, oder was?" - "Aus Cottbus, du Arsch." Tom und Charly und ihre Kameraden aus der Kosovo Force (KFOR) sitzen in einem offenen Jeep und fahren durch das Kosovo. Die Ermahnungen ihres Obersten: "Ihr seid hier nicht im Ferienlager!" nehmen sie mit Gelassenheit hin. Es ist doch hübsch hier. Und die zahllosen in der Hügellandschaft verbuddelten Landminen sieht man erst, wenn jemand auf sie tritt und zerfetzt wird. Das passiert in der nächsten Szene.

Wir befinden uns im Jahr 1999. Die US-Truppen haben unlängst mit ihrer Bombardierung von Serbien für - sagen wir - Ruhe gesorgt. Nun sollen die Internationalen die Rückkehr von rund 194.000 vertriebenen Kosovoalbanern ins Kosovo sichern, die zerstörte Infrastruktur reparieren, die serbische Minderheit vor Racheakten schützen. Sie sollen also Frieden machen und nicht Krieg spielen. Insbesondere für Charly ist das eine erschütternde Überraschung.

Selbstverständlich gibt es auch das Objekt der Begierde: Dieses ist liebreizend blond, Arzttochter und einheimisch. Beinahe wäre Mirjana (Susanne Bormann) bei einem antiserbischen Attentat von einem Heckenschützen getötet worden. Doch der blitzverliebte Charly stürzt sich ins Geschehen und zieht die Verwundete aus der Schusslinie. Womit er all seine Kameraden gefährdet. Sofort herrscht Chaos. Schließlich sollen KFOR-Soldaten neutral bleiben und nicht eingreifen und Held spielen.

Dann aber wäre die junge Frau gestorben. Was tun? Der Film hat keine Lösung für dieses Dilemma. Das ist sein Verdienst. Er zeigt die Hilflosigkeit der Soldaten, die auf die vielen Fronten dieser Postkrieg-Situation nicht vorbereitet wurden. "Mörderischer Frieden" mag den Alltag und die Schwierigkeiten deutscher Soldaten zeigen, um sie zu feiern. Doch unter der Hand verwandelt er sich zu einem Antikriegsfilm. Allein das macht ihn sehenswert. Zumal die Dialoge gemeinsam mit der unbeholfenen TV-Kitsch-Symbolik für viel unfreiwillige Komik sorgen.

"Mörderischer Frieden" ist Trash wider Willen. En passant zeigt er, dass die einzig gangbare Lösung darin besteht, eine Zivilgesellschaft aufzubauen. Die aber bedarf der Politik, der Rechtsprechung und auch einer Polizei, die Menschen von der Selbstjustiz abhält, weil sie ihnen eine neue, auch ökonomisch lebbare Perspektive bietet. Eine Binsenweisheit. Doch von ihrer Umsetzung sind die Internationalen weit entfernt.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de