Kunst und Islam: Vagina des Anstoßes

Der Künstler Fouad Bellamine zieht seine Fotoserie "Der Ursprung der Welt" von einer mexikanischen Ausstellung zurück. Er möchte nicht als "Feind des Islam" gelten.

Diente Bellamine als Anregung: Gustave Courbets Gemälde "L'Origine du Monde" (Der Ursprung der Welt) von 1866. Bild: dpa

Der marokkanische Künstler Fouad Bellamine hat nachgegeben. Bis zum Februar sollte seine Fotoserie "Der Ursprung der Welt" auf dem 9. Internationalen Festival in der mexikanischen Industriestadt Puebla gezeigt werden. Doch vergangene Woche zog Bellamine sein Werk zurück. Der Grund: Der iranische Botschafter in Mexiko Mohammed Hassan Ghadiri Abyaneh drohte mit einer "diplomatischen Krise" zwischen den beiden Staaten, sollte das Kunstwerk weiterhin ausgestellt werden. Bellamines Arbeit zeigt Bilder eines weiblichen Schoßes, der teilweise von der Silhouette einer Moschee verdeckt wird. Das, so meint der Diplomat, sei "superpornografisch" und verhöhne die islamische Kultur. Dem Marokkaner drohte er, ihn in der arabischen Welt als "Feind des Islam" zu brandmarken.

Entdeckt hatte Ghadiri das Bild bereits Mitte November, als die von 22 arabischen Künstlern gestaltete Ausstellung "Espejismos" (Spiegelbilder) eröffnet wurde. Daraufhin forderte er in einem Schreiben an die Regierung des gleichnamigen Bundesstaates Puebla, dass Bellamines Werk sofort entfernt wird. "Es ist sehr eigenartig, einen wahnsinnigen, vulgären und dummen Künstler einzuladen, wo die islamische Welt voll von authentischen Vertretern ihrer Kunst und Kultur ist", meinte Ghadiri und stellte klar: "Eine solche Ausstellung wäre in keinem islamischen Land möglich." Letzteres könnte sogar stimmen, würde aber, darf man anmerken, eher nicht für die islamische Welt sprechen.

Bellamine, der in Frankreich lebt, wies die Vorwürfe zurück. Es sei absurd, dass die Silhouette, wie Ghadiri behaupte, die Al-Quds-Moschee in Jerusalem darstellen solle. Man könne auch eine Kirche interpretieren. "Es obliegt der Freiheit jedes Betrachters, zu sehen, was er sehen will." Die Fotoserie geht auf eine Arbeit des französischen Malers Gustave Courbet aus dem 19. Jahrhundert zurück. Dessen Gemälde zeigt eine unverhüllte Vagina und wurde damals zensiert.

Bellamine begründete seinen Rückzieher damit, dass er keine Probleme zwischen Mexiko und dem Iran provozieren wolle. "Es gab einen großen Skandal, über 200 Artikel wurden veröffentlicht, und angesichts des Drucks hat er klein beigegeben, um die Gemüter zu beruhigen", erklärte Ausstellungskuratorin Aziza Aloui. Tatsächlich hat Mexikos kleiner Karikaturenstreit für Schlagzeilen gesorgt. Liberale Kommentatoren forderten, dem Druck Ghadiris nicht nachzugeben. "Wenn den Religiösen solche Ausstellungen nicht gefallen, sollen sie sie sich eben nicht ansehen", meinte etwa Leo Zuckermann. Linke zeigten sich dagegen zurückhaltend. In einem Interview mit dem iranischen Diplomaten, das die linke Tageszeitung La Jornada veröffentlichte, sprach man zwar viel über die "Solidarität der Völker" und US-amerikanische Aggressionen. Von den unverhohlenen Drohungen Ghadiris gegen Bellamine war jedoch nicht die Rede.

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