McCanns verhandeln über Filmrechte: Eine Überdosis "Maddie"

Die Eltern der verschwundenen Madeleine McCann verhandeln mit Hollywood über ein "Maddie"-Dokudrama. Angeblich, um den Fall präsent zu halten.

Vater und Mutter McCann, auf dem Weg ins Filmbiz. Bild: ap

Das war zu erwarten: Nun kommt "Maddie - der Spielfilm". Hollywood will die Geschichte der Madeleine McCann verfilmen, die am 3. Mai vorigen Jahres kurz vor ihrem vierten Geburtstag während eines Familienurlaubs in Portugal verschwunden ist. Ihre Eltern speisten angeblich unterdessen in einem nahegelegenen Restaurant zu Abend. Die Polizei hegt dagegen den Verdacht, dass "Maddie" durch einen Unfall, etwa eine Überdosis eines Schlafmittels, ums Leben gekommen ist und das englische Elternpaar das vertuschen wollte, weil sie sonst ihre Approbation verlieren würden: Kate und Gerry McCann, beide 39, sind Ärzte.

Sie haben inzwischen Verhandlungen mit der weltgrößten Medienagentur IMG über die Filmrechte aufgenommen. "Wir hatten eine Reihe von Gesprächen mit dem Unternehmen", bestätigte der Sprecher der McCanns, Clarence Mitchell. Man wolle keinen Profit für die Familie erzielen, sondern dafür sorgen, dass der Fall in den Medien präsent bleibe, um "das Mädchen zu finden". Die Medienpräsenz in Großbritannien war bisher phänomenal, enthält der Fall doch alles, was die Auflage von Zeitungen erhöht: ein kleines Mädchen, ein Verbrechen, ein fotogenes, wohlhabendes Ehepaar vom Land sowie eine feindselige ausländische Polizei. "Maddie" ist längst zu einem Warenzeichen geworden.

Wenn dieser Verdacht gegen die McCanns ausgeräumt ist, wollen sie laut ihres Sprechers weitere Projekte in Angriff nehmen: Gerry McCann will ein Buch schreiben, das Ehepaar will in Talkshows auftreten und auf Vortragsreise gehen. Vielleicht auch ein Broadway-Musical? Oder ein Maddie-Starschnitt in der Bravo?

Die McCanns waren seit dem Verschwinden ihrer Tochter viel unterwegs, sie besuchten unter anderem den Papst, das Weiße Haus, die Downing Street, sie reisten durch Europa und sogar nach Nordafrika, als es eine Meldung gab, dass Madeleine dort gesichtet worden sei. Das alles kostet Geld. Der Spendenfond in Höhe von 1,2 Millionen Pfund ist fast aufgebraucht, er reicht höchstens noch zwei Monate. Seit die McCanns im September von der portugiesischen Polizei offiziell als Verdächtige eingestuft wurden, nahmen die Spenden rapide ab. Außerdem nahm man den Eltern übel, dass sie eine Rate für die Hypothek ihres 500.000 Pfund teuren Hauses aus dem Spendenfond bezahlt haben.

Der Film soll zwei Millionen Pfund in die Kasse spülen. Es soll ein Dokumentarspiel werden, in dem die Beteiligten die Geschehnissen aus ihrer Sicht schildern, während Schauspieler die Ereignisse nachspielen. Das wird schwierig, da die McCanns nicht öffentlich Stellung nehmen dürfen, solange sie als Hauptverdächtige gelten.

Ein anderer Film, Ben Afflecks Regie-Debut "Gone Baby Gone", ist dem verschwundenen Mädchen zum Opfer gefallen: Er hatte so viele Parallelen zu dem Fall, dass der Verleih im September entschied, die britische Premiere auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Wie das Drehbuch für "Maddie - The Movie" aussehen soll, ist unklar. Es gibt ja zahlreiche Theorien, Indizien, Aussagen und Gerüchte zu dem Fall. Die Öffentlichkeit schwankt zwischen der Verurteilung der McCanns, der Furcht, dass die Kleine entführt und getötet worden ist und der Hoffnung, dass sie doch noch lebt.

Am besten also, Hollywood dreht einen interaktiven Film, bei dem der Zuschauer den seiner Ansicht nach wahrscheinlichsten Schluss anklicken kann: Maddie in einer Gruft, Maddie in den Fängen eines skrupellosen Entführers, Maddie fröhlich reitend auf dem Ponyhof eines reichen, kinderlosen Ehepaars in Nordafrika.

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