Krise im Hause Clinton

Bill verhilft Hillary zur Niederlage

Mit seinem harten Anti-Obama-Wahlkampf hat der Expräsident Clinton dem Konkurrenten seiner Frau viele Wähler zugetrieben.

Hat er es ihr vermasselt? Bild: ap

COLUMBIA taz Es ist kein schöner Anblick: Bill Clinton, den man in den vergangenen Jahren stets lächelnd sah, nun plötzlich rotgesichtig und hetzerisch. Mit kaum verschleierten Angriffen auf Barack Obama zog der Expräsident vergangene Woche durch South Carolina. Was Bill Clinton da bot, hat viele Demokraten geradewegs verstört, schlimmer noch, erst recht ins andere Lager getrieben. Bei Umfragen vor den Wahllokalen gaben sechs von zehn Wählenden an, dass die Auftritte Bill Clintons sie beeinflusst hätten - davon sagte wiederum die Hälfte, schließlich für Obama gestimmt zu haben.

Wie erste Wahlanalysen nahelegen, konnte der schwarze Senator aus Illinois neben über 80 Prozent der schwarzen Wählenden auch diejenigen gewinnen, die sich erst in den letzten drei Tagen vor den Primaries für einen Kandidaten entscheiden konnten. Gekürt wurde er auch von einem Viertel der weißen Wählenden - was in South Carolina etwas heißt, wo das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß so fest betoniert ist wie eh und je. Die letzten Tage vor der Vorwahl, das war die Zeit, als Bill Clinton die Nachrichtenkanäle nahezu allein bespielte. So scheint die Interpretation des Obama-Teams nachträglich untermauert zu werden. Dass nämlich die Strategie der Clintons, Obama als "schwarzen Kandidaten" kleinzureden, nicht aufgegangen ist.

Die große Frage, die US-amerikanische Wahlbeobachter nun beschäftigt, ist die, ob Bill Clinton weiterhin in diesem Stil als Kampfgeschütz im Wahlkampf zum Einsatz kommen wird. Und ob das bedeutet, dass Hillary in Wirklichkeit eben doch Billary ist. Aus dem Clinton-Headquarter jedenfalls heißt es, dass Bill weiterhin mit dabei sein werde. Aus eins mach zwei, und fertig ist der Aufguss der Clintonschen Neunzigerjahre mit Skandalen, Affären und meisterhaften Manipulationen der Medien durch ein Politikerpaar, das mit allen Wassern gewaschen ist. Doch ist es wirklich das, was die Hillary-Wähler für die Zeit nach George W. Bush wollen?

Unterstellungen, Wortverdrehungen und strategische Rochaden: Was die Clintons gemeinsam als politisches Powerpaar draufhaben, davon bekam die US-amerikanische Öffentlichkeit vergangene Woche jedenfalls erneut eine Kostprobe. Von falschen Behauptungen, wie der, Obamas Antiirakkriegshaltung sei ein "Märchen" (Bill), bis hin zur Moralkeule, Obama entziehe sich jeglicher politischer Verantwortung (Hillary), ließen die Clintons schon mal ihr Waffenarsenal aufblitzen.

"Manche in diesem Wahlkampf werden alles Erdenkliche behaupten, nur um gewählt zu werden", sagte Barack Obama am Samstag. Hatte man seine Klage von Anfang letzter Woche, dass er manchmal gar nicht wisse, ob er gegen einen oder zwei Clintons kandidiere, noch als weinerlich abtun können, so machte er an diesem Abend deutlich, dass er ebenfalls bereit ist, den Colt aus der Tasche zu holen. Und er warnte seine Fans: "Unterschätzt nicht, gegen was wir hier antreten!"

Gemeint war die Strategie der Clintons, Obama als Kandidaten einer schwarzen Minderheit darzustellen. Als Kandidaten also, der unmöglich die Interessen einer breiten Koalition des Wandels aller US-AmerikanerInnen vertreten könne. Es ist eine gefährliche Strategie. Denn ausgerechnet Bill Clinton gilt der afroamerikanischen Community insgeheim als "erster schwarzer Präsident". Nun sind die Clintons dabei, diese Errungenschaft und damit eine vorläufige Befriedung der Rassenfrage zunichte zu machen. Die Folge kann dann nur ein erneuter Kampf um die Hautfarbe sein.

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