Portrait des Sprechers von "Pirate Bay"

Unerschrockener Pirat

Die Macher der Filesharing-Plattform "Pirate Bay" sind für ihre Respektlosigkeit gegenüber der Industrie bekannt. Auch die aktuelle Anklage lässt Pressesprecher Peter Sunde kalt.

"Wir sind eine Art Internet-Post", meint Peter Sunde, Sprecher des Filesharing-Portals www.piratebay.org. Bild: privat

Peter Sunde wohnt im südschwedischen Malmö, hat einen norwegischen Vater und eine finnische Mutter. Die Sprachen, die er deshalb beherrscht, kommen ihm in diesen Tagen sehr zugute. Sein Kalender ist vollgebucht mit Medienterminen: Norwegischer Rundfunk, finnisches Fernsehen, schwedische Presse und jede Menge englischsprachiger JournalistInnen. Entspannt lässt der 29-jährige die Aufregung über sich ergehen. Er ist der Sprecher von "Pirate Bay", einer Art Internetsuchmaschine, mit deren Hilfe man Musik, Filme und Spiele im weltweiten Cyperspace finden kann und ein internationales Symbol für freies Filesharing. Am Donnerstag erhob die schwedische Staatsanwaltschaft Anklage gegen Sunde und drei andere "Pirate Bay"-Administratoren. Wegen Beihilfe zum Bruch des Urheberrechts.

"Was für eine seltsame Anklage", kommentiert Sunde: "Wir sollen Beihilfe leisten für etwas, für das die Staatsanwaltschaft keinen Täter präsentieren kann. So mühsam, wie diese Anklage konstruiert ist, glauben wir jedenfalls erst recht das Recht auf unserer Seite zu haben." Dass er die Justizattacke nicht bedrohlich, sondern allenfalls seltsam findet, passt zum "Pirate Bay"-Image. Die weltweite Aufmerksamkeit, welche die Webbseite in der Internetgemeinschaft geniesst hat nicht nur mit der Grösse dieser "Suchmaschine" zu tun, sondern auch mit dem Selbstbewusstsein und der Respektlosigkeit, mit der man bislang alle Angriffe seitens der Musik- und Filmbranche abgewehrt hat: "Viele andere haben sofort ihre Tätigkeit eingestellt, wenn sie von denen einen amtlich aussehenden Brief bekommen haben", sagt Sunde: "Und haben doch tatsächlich an das geglaubt, womit die Branche ihnen da gedroht hat."

Bei der "Piratenbucht" ging man immer in die Offensive, machte alle Drohungen zusammen mit den eigenen hohnvollen Antworten öffentlich. "Wir gehen nun mal davon aus im Recht zu sein und legal zu handeln, jedenfalls was die schwedischen Gesetze angeht. Wir halten Filesharing für nichts Verbotenes, warum sollten wir uns also verstecken", fragt der Sprecher der "Piraten".

Einen Vergleich mit der Videoplattform "Youtube", die ja auch gezwungen ist, Material zu entfernen, wenn Urheber dies verlangen, weist Sunde zurück: "Das ist doch genau der Unterschied zwischen uns und "Youtube". Die haben das Material auf ihren Servern liegen, bei uns liegt kein Byte urheberrechtlich geschützten Materials. Wir sind nur ein Wegweiser zu Internetusern, die etwas, was sie selbst auf dem Rechner haben, mit anderen teilen wollen." Und natürlich habe "Pirate Bay" keine Veranlassung nachzusehen, ob die das dürfen: "Um das zu überprüfen müssten wir ja alles selbst runterladen und prüfen", sagt Sunde verschmitzt: "Da würden wir ja womöglich gegen Urheberrecht verstossen und eine strafbare Handlung begehen. Deshalb dürfen wir das ja gar nicht."

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