Dioxin am Flussufer: Giftfunde an der Ems

Nachdem in den Überschwemmungswiesen an der Ems hohe Giftbelastungen gemessen wurden, lässt das Landratsamt Schafe auf Dioxine testen. Die Ursachen für die Vergiftungen sind ungeklärt.

Emswiesen: Nach den Giftfunden wird jetzt nach den Ursachen geforscht. Bild: dpa

Nach den Giftfunden auf den Überschwemmungsflächen der Ems wird nun versucht, die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Das zuständige Landratsamt hat dazu zehn Deichschafe aufgekauft und am Dienstag für Fleischproben schlachten lassen, sagte Jens Stöter, Pressesprecher des Landratsamts Leer. Vergangene Woche wurden bereits Milchproben genommen. Diese Untersuchungen sollen ausschließen, dass die Giftstoffe in der Nahrungsmittelkette weitergetragen wurden. Mit Ergebnissen kann erst nächste Woche gerechnet werden.

Auf den als Weide- und Nutzflächen bewirtschafteten Deichgebieten nord-westlich der ostfriesischen Stadt Leer waren zuvor Dioxine und dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (PCB) gefunden worden, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) mitteilte. Diese Stoffe gelten als gesundheitsschädlich und Krebs erregend. Woher die Chemikalien stammen und wie sich diese auf die Landwirtschaft und auf die Bevölkerung auswirken, war zunächst noch unklar.

Der Wattenrat Ost-Friesland gibt verschiedene Möglichkeiten für die Herkunft der Giftstoffe an. So könnten diese aus einer ehemaligen Bohrschlammdeponie stammen, die 1982 in dem Gebiet angelegt wurde. Der Wattenrat weist außerdem auf eine niederländische Firma hin, die Farben, Lacke und Klebemittel herstellt und mit PCB arbeite. Sowohl bei den Bohrungen als auch bei der Firma seien Flüssigkeiten direkt in die Ems eingeleitet worden.

Die in Deutschland seit 1989 verbotenen PCB werden für Schmierstoffe und Hydraulikflüssigkeiten verwendet, sowie im Lack für Schiffe. Die giftigen Stoffe können jedoch auch bei Überschwemmungen aus dem Ems-Schlick auf die Weideflächen gelangt sein. Laut Nachrichtenagentur dpa ist dies in Problembereichen der Elbe bereits vorgekommen. Weitere Wasser- und Schlickproben sollen Aufschluss über die Ursachen geben, teilte Landratsamt-Sprecher Stöter mit.

Erste Kontrollen in diesem Gebiet wurden nach einem BSE-Verdacht im vergangenen Jahr durchgeführt. Damals untersuchte die Laves auch gemähtes Gras, das als Futter gedacht war. Bei einer Probe wurden die Grenzwerte für giftige Verbindungen sogar um das Vierfache überschritten. Von den Behörden wird nun überprüft, ob die Tiere weiterhin auf den betroffenen Flächen stehen dürfen und das gemähte Gras verfüttert werden darf.

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