Messerundgang auf der IFA

Heimkino und Waschküche

Ein Rundgang durch die Internationale Funkausstellung zeigt: Die Hersteller setzen vor allem auf Größe, aufwändige Ausstattung und stromsparende Techniken.

Der Ferrari unter den Staubsaugern. Bild: reuters

Blitzender Chrom, knallrote Auslegeware und schimmernde Lacke. Auf den ersten Blick ist der grüne Gedanke in den großen Hallen der Internationalen Funkausstellung, der IFA, nicht wahrnehmbar. Für das Innenleben seiner Geräte seien ein sparsamer Verbrauch und die umweltfreundliche Herstellung aber entscheidend, versichert der Vertriebschef von Miele Deutschland, Christian Gerwens.

Für Gerwens ist die Berliner Messe keine Routine. Er ist zum ersten Mal hier. Denn neben den neusten Flachbildfernsehern, Hi-Fi-Anlagen und Blu-Ray-Playern präsentiert die IFA erstmals auch Dampfgarer, Kühlschränke und Waschmaschinen.

"Wir folgen damit der Realität der Konsumenten und bilden die Vernetzung der einzelnen Wohnbereiche im Haushalt ab", begründet IFA-Chef Rainer Hecker das neue Messekonzept. Die Veränderung dokumentiert den Verdrängungswettbewerb zwischen deutschen Industriemessen. Schon die Computermesse CeBIT versucht seit Jahren, Hersteller für Unterhaltungselektronik von der IFA abzuwerben. Nun wildert die IFA auf dem Territorium der auf Haushaltsgeräte spezialisierten Domotechnica in Köln.

Tonangebend bei der Haushaltstechnik sind aber nicht technische Spielereien wie etwa die Kaffeemaschine, die sich über das Internet fernsteuern lässt (von der Firma JURA). Angesichts hoher Energiepreise ist der Stromverbrauch der häuslichen Elektrogeräte zu einem echten Verkaufsargument geworden.

Strom ist nicht nur teurer, es gibt auch insgesamt immer mehr Haushaltsgeräte, Computer und Fernseher, die den Energieverbrauch privater Haushalte in die Höhe treiben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts haben sie für ihre zahlreichen Elektrogeräte zwischen 1995 und 2006 25 Prozent mehr Strom verbraucht. Etwa 65 Prozent der Stromkosten eines Haushaltes entfallen im Schnitt auf elektrische Geräte.

"Die Verbraucher wollen aus Kostengründen Energie sparen, ohne auf Komfort zu verzichten", sagt Vertriebsleiter Gerwens. Deshalb habe Miele eine Spülmaschine entwickelt, die das Geschirr von zwölf Personen mit der Menge eines großen Eimers Wassers bequem und keimfrei reinige.

"Insgesamt verbrauchen die Produktion und der langjährige Betrieb des Geschirrspülers damit deutlich weniger Ressourcen als das Handspülen", erklärt Gerwens. Belegen kann er das allerdings nicht wirklich, denn die Klimabilanz der Herstellung des Geräts ist in seiner Modellrechnung nicht enthalten.

Einen Trend zur Energieeffizienz bei Elektrogeräten bestätigt auch Dietlinde Quack vom Freiburger Öko-Institut. Das Institut ist mit dem Projekt EcoTopTen erstmals auf der Messe vertreten und präsentiert eine Auswahl besonders umweltverträglicher Produkte. "Der vorzeitige Ersatz von alten Haushaltsgeräten entlastet in vielen Fällen den Geldbeutel und die Umwelt deutlich", erklärt sie. Ein neuer Kühlschrank der besten Energieklasse spiele die Anschaffungskosten durch seinen niedrigen Energieverbrauch schnell wieder ein - vorausgesetzt, er ersetzt einen Stromfresser.

Auf Neuanschaffungen aus diesem Grund spekulieren auch die Hersteller. Der Absatz von großen Haushaltsgeräten stagniert nämlich. Eine neue Waschmaschine wird normalerweise nur fällig, wenn die alte kaputt geht. Im Durchschnitt kaufen Deutsche alle 15 Jahre ein neues Gerät. Der Trend zum Energiesparen schafft hier Abhilfe - das haben auch die Hersteller erkannt. Auf der Website des Bundesverbandes Technik des Einzelhandels (BVT) kann neuerdings ein Energierechner heruntergeladen werden, der die Betriebskosten von Altgeräten ermittelt. Gerwens bestätigt: "Natürlich wollen wir unsere Produkte verkaufen." Miele-Geräte seien allerdings so konzipiert, dass sie im Schnitt wiederum 18 Jahre hielten.

Von so einer Lebensdauer können die Verbraucher anderer IFA-Neuheiten nur träumen. Die neuesten Handy-Generationen von Sony, LG und Nokia punkten vor allem mit Zusatzfunktionen. Modelle, die auch in drei Jahren noch nicht in den Elektroschrott wandern, sucht man auf dem Messegelände vergebens.

"Groß, größer, am größten" fasst IFA-Chef Rainer Hecker das diesjährige Motto der Veranstaltung zusammen. Die IFA präsentiert sich als Schau der Superlative: 1.245 Firmen aus 63 Ländern präsentieren sich auf 122.000 Quadratmetern.

Der Hang zu Superlativen gilt besonders für Flachbildschirme, dem größten Wachstumszweig der Elektrobranche. Europaweit wollen die Hersteller in diesem Jahr 38 Millionen Geräte verkaufen. Obwohl die Konjunktur allgemein kriselt und Großereignisse wie EM und Olympia vorbei sind, erwartet die Branche bei den stromfressenden Großfernsehern auch in Deutschland weitere Zuwächse. "Wegen der Ölpreissteigerung bleiben die Verbraucher häufiger zu Hause und das Heimkino gewinnt an Bedeutung", glaubt Hecker.

Zwischen Flachbildschirmen und imposanten High-End-Stereoanlagen präsentiert sich auch Greenpeace Energy erstmalig auf der Messe. "Wir wollen Kunden außerhalb der alternativen Szene gewinnen", erklärt Marcel Keiffenheim. Die stromfressenden Geräte in der Nachbarschaft des Standes sieht Keiffenheim mit gemischten Gefühlen. "Wir wollen eine Energiewende durch Ökostrom und Energieeffizienz, aber niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat."

Im Hinblick auf den Umweltschutz ist die Arbeitsteilung auf der IFA offensichtlich klar: "Unterhaltungselektronik macht das Leben bunter, weiße Ware macht es ressourcenschonender", sagt Hecker.

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