Männer fordern Verbesserungen

Deutsche Firmen nicht väterfreundlich

Trotz Elterngeld haben es Männer mit Kindern hierzulande schwer, Familie und Job zu vereinen. Vätervorkämpfer geben Unternehmen Tipps, wie sie ihre Bedingungen verbessern können.

"Das Bild von Vätern hat sich um 180 Grad gedreht": Papa mit Söhnen Bild: dpa

BERLIN taz Es gibt etliche Beispiele: Er ist Vater von vier Kindern, arbeitet Vollzeit als Personalratsvorsitzender und fühlt sich ständig gehetzt: "Ich kann froh sein, dass es nur so selten Blitzgeräte an den Straßen gibt." Ein anderer sieht sich in der Firma abgeschrieben, weil er wegen seines Kindes stets pünktlich gehen muss: "Karriere wird ab 17 Uhr gemacht - also ohne mich." Und ein dritter Papa berichtet von den positiven Veränderungen, die seine plötzliche Arbeitslosigkeit auf sein Familienleben hatte.

Fälle wie diese wurden bei der Fachtagung "Vorfahrt für Väter" des Paritätischen Wohlfahrtsverbands vergangene Woche in Berlin zuhauf vorgestellt. Das Fazit der rund 100 Multiplikatoren aus der Familienförderung: Mit der Einführung des Elterngeldes, das vielen Männern eine Babypause attraktiv gemacht hat, ist zwar eine aktive Vaterrolle stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt. Doch in Personalabteilungen deutscher Unternehmen ist die Entwicklung noch nicht angekommen. "Väterfreundlichkeit ist dort leider noch kein Mainstream", sagt Eberhard Schäfer, Gründer des Berliner Väterzentrums.

"Das Elterngeld war nur ein winziger Schritt", sagt Evelyn Selinger, Familienreferentin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Deutschland ist erst dort, wo Skandinavien schon vor 40 Jahren war." Tatsächlich gleichen in Dänemark und Schweden manche Unternehmen dem Mitarbeiter die Differenz zwischen Elterngeld und Gehalt aus, um ihn langfristig zu halten. In Deutschland scheitert dagegen so mancher Kollege bei dem Versuch, als Vater und als Mitarbeiter engagiert zu sein - mitunter mündet es im Burn-out-Syndrom. Väterfreundlichkeit zahlt sich für Unternehmen auch wirtschaftlich aus, lautet deshalb die Botschaft der neuen Vorkämpfer der Väter.

In der Praxis können das unterschiedliche Maßnahmen sein: Die Firma kann etwa die Anwesenheitspflicht lockern und Arbeit von zu Hause aus ermöglichen. Sie kann für jeden Mitarbeiter einen Vertreter festlegen (Tandem-Prinzip), damit Väter flexibel eine Auszeit nehmen können. Sie kann ein Notfall-Zimmer bereitstellen, damit ein Kollege sein krankes Kind mitbringen kann. Sie kann eine Betriebs-Kindertagesstätte einrichten. Oder sie veranstaltet Tage, an denen Kinder der Angestellten kommen und den Arbeitsplatz des Papas kennen lernen.

Ulrich Kuron vom Verein Väter hat in Kooperation mit Airbus und der Hamburger Stadtentwässerung einige der Maßnahmen umgesetzt. Sein Resümee: "Es gibt nicht den einen großen Paukenschlag, mit dem das Problem gelöst wird. Nur durch viele kleine Verbesserungen wird sich etwas ändern."

Die Aufmerksamkeit für die Offensive der Väter wuchs mit der Einführung des Elterngeldes, bei dem der Staat in der Baby-Auszeit zwei Drittel des Nettogehalts weiterzahlt. "Das Bild von Vätern hat sich dadurch um 180 Grad gedreht", sagt Väterzentrum-Leiter Schäfer. "Früher waren Väter die, die 80 Stunden gearbeitet haben und keinen Unterhalt gezahlt haben. Heute begreifen sich viele Männer dagegen als fürsorgliche Erzieher." Die Zahlen deuten darauf hin, dass ihr Anteil wächst: Rund jeder fünfte Elterngeld-Antrag wurde im zweiten Quartal 2008 von Vätern gestellt.

Doch Familien-Angebote sind meist weiterhin auf Mütter ausgerichtet. "Viele, die beruflich die Zielgruppe Familie im Blick haben, haben bemerkt, dass sie Väter vergessen haben", sagt Schäfer. Er rät den Familienförderern, hinaus zu gehen - dorthin, wo werdende Väter sind, in Unternehmen und bei Infoabenden geburtshilflicher Klinik-Abteilungen. "Die meisten Väter würden von selbst nie eine Beratungsstelle aufsuchen. Bewusstsein lässt sich bei ihnen eher über Spaß herstellen als über Probleme."

Genau anders herum sei es mit Unternehmen, sagt Aktivist Kuron: "Die Firmen werden erst in Richtung Väterfreundlichkeit umdenken, wenn sie Probleme bekommen - und keinen Mitarbeiter mehr auf dem Arbeitsmarkt finden."

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