Probeme mit US-Wahlautomaten: Eine außerordentliche Feinfühligkeit

Frühwähler im US-Bundesstaat West Virginia berichten von großen Problem mit Wahlautomaten, die plötzlich den Favoriten wechseln.

Wähler gaben an, dass die iVotronic-Geräte unmotiviert den ausgewählten Kandidaten wechselten. Bild: screenshot iVotronic

BERLIN taz In einer Woche ist es soweit: Dann dürfen die Amerikaner endlich die Nachfolge des unpopulären Präsidentschaftsduos George W. Bush und Dick Cheney bestimmen. Um ein Chaos wie 2004 zu vermeiden, als zahlreiche Wähler insbesondere in Innenstadtbezirken stundenlang ausharren mussten, bis sie ihre Stimme abgeben durften, forderten die Kandidaten Barack Obama und John McCain ihre Anhänger in diesem Jahr verstärkt auf, möglichst früh wählen zu gehen. In nahezu allen Bundesstaaten ist dieses so genannte "Early Voting" inzwischen möglich, entweder per Brief oder direkt in einem Wahllokal. Beobachter glauben, dass 2008 bis zu einem Drittel der US-Wähler Frühwähler werden.

Doch die ersten Erfahrungen, die einige Frühwähler schildern, verheißen für den Hauptwahlgang am 4. November wenig Gutes. Im US-Bundesstaat West Virginia häufen sich Berichte über massive Probleme mit den dort verwendeten Wahlautomaten. Die Geräte der Marke "iVotronic" verfügen über einen berührungsempfindlichen Bildschirm, einen so genannten Touchscreen. Auf diesem können die Wähler ihre Kandidatenentscheidung markieren, die Stimmen werden dann gesammelt und später mit Hilfe eines Zentralrechners zusammengerechnet. Schon seit langem gibt es massive Vorwürfe gegenüber den Herstellern solcher Geräte - Experten zeigten Sicherheitslücken auf, Maschinen des Anbieters Premier Election Systems zählten wohl offenbar auch falsch. Doch die Berichte aus West Virginia verweisen auf ein anderes Problem: Wähler gaben an, dass die iVotronic-Geräte unmotiviert den ausgewählten Kandidaten wechselten.

"Als ich den Bildschirm bei Barack Obama berührt habe, wechselte das Häkchen plötzlich zu John McCain", berichtete die Wählerin Virginia Matheney der Lokalzeitung "Charleston Gazette". Wahlhelfer sagten ihr daraufhin, sie habe den Bildschirm zu stark gedrückt und solle deshalb "nur ihren Fingernagel" benutzen. Doch das Problem blieb bestehen. Dem Rentner Calvin Thomas erging es ähnlich: Jedes Mal, wenn er einen demokratischen Kandidaten für den Job des Gouverneurs anwählen wollte, sprang die Maschinen "direkt zu dem anderen Typen". Thomas sagte, auch anderen Wählern wäre Ähnliches passiert. Er fragt sich nun, wie vielen - vor allem älteren - Menschen dies nicht aufgefallen ist.

Die zuständigen Beamten im Innenministerium von West Virginia werteten das Ganze als "Problem mit der Kalibrierung". "Manchmal kann das passieren, wenn die Geräte vom Lager in die Wahllokale transportiert werden", sagte eine Vizeministerin. Erst nach einem Anruf des Ministeriums wurde die Wahlmaschine, an der Rentner Thomas so arge Probleme hatte, neu eingestellt.

Kalibrierungsprobleme treten auf, wenn der eigentlichen Bildschirm und die berührungsempfindliche Schicht nicht mehr deckungsgleich sind. Bei den iVotronic-Geräten, die teilweise seit Jahren im Einsatz sind, könne das schon einmal vorkommen, meinen Experten. Dan Wallach, Computerwissenschaftler an der Rice University, sieht jedoch in dem Modell, das in zahlreichen Wahlkreisen verwendet wird, besonders viele Fehlerquellen: "Da kann so viel schief gehen, dass es schon erstaunlich ist." Um die Geräte einzustellen, müssten bis zu 20 Punkte auf dem Bildschirm angeklickt werden, um eine Deckungsgleichheit zu erzielen. Diese Feinfühligkeit sei eine enorm große Fehlerquelle. Während die Teilnehmer am "Early Voting" noch die Chance haben, Wahlhelfer in Ruhe auf solche Probleme aufmerksam zu machen, dürfte es am vierten November ganz anders aussehen, wenn der große Ansturm losbricht. Ben Schwan

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