Drohende Ausweitung des Krieges: Angola schickt Truppen nach Ostkongo

Während Angola die bedrängte Regierungsarmee des Kongo unterstützen will, gibt Ruanda die Beteiligung ehemaliger ruandischer Soldaten an der Rebellion Laurent Nkundas zu.

An der Kriegsfront bei Goma gab es erneut heftige Kämpfe: Kongolesische Soldaten nördlich von Goma

BERLIN taz Der neue Krieg in der Demokratischen Republik Kongo ruft immer mehr Eingreifgelüste auf den Plan. Angolas Regierung, eine enge Verbündete des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, kündigte gestern die Entsendung von Truppen in das ostkongolesische Kriegsgebiet an. Vizeaußenminister Georges Chicoty sagte dies nach Gesprächen bei der EU in Brüssel. Wie viele Soldaten stationiert werden sollen und wie ihr Einsatz aussehen wird, sagte der Politiker nicht.

Angola hatte während des Kongokriegs (1998-2003) bereits auf Seiten der Regierung eingegriffen. Letzte Woche wurde erstmals von der Anwesenheit angolanischer Truppen nördlich der belagerten ostkongolesischen Provinzhauptstadt Goma berichtet. Portugiesischsprachige Soldaten mit angolanischen Armeeabzeichen verstärkten dort die kongolesischen Regierungspositionen gegen die Rebellen der CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) unter Tutsi-General Laurent Nkunda.

Auch Nkunda erhält offensichtlich Verstärkung aus Nachbarländern, die während des Kongokriegs auf Seiten der damaligen Rebellen im Land militärisch präsent waren. Der ruandische Diplomat Joseph Mutaboba sagte am Dienstag, es bestehe die "Möglichkeit", dass demobilisierte Angehörige der ruandischen Armee bei der CNDP seien. Es gab bereits mehrfach Berichte, dass kongolesische Tutsi, die in Ruandas Streitkräften gedient haben, nach ihrer Demobilisierung in den Kongo zurückgehen und auf Rebellenseite kämpfen. Auch in Uganda und Burundi soll die CNDP Kämpfer anwerben, wie aus Presseberichten in der Region hervorgeht.

Mit dieser Internationalisierung der Kriegsparteien steigt das Risiko, dass sich die betroffenen Länder auch direkt in den Konflikt einschalten. Zwei afrikanische Gipfeltreffen, in Nairobi am vergangenen Freitag und in Johannesburg am Sonntag, waren mit Bekenntnissen zu möglichen afrikanischen Militärinterventionen im Kongo zu Ende gegangen. Gestern wiederholte Tansanias Außenminister Bernard Membe, dessen Land derzeit die Präsidentschaft der Afrikanischen Union (AU) hält, die Bereitschaft Afrikas einzugreifen. "Afrika muss und wird intervenieren", sagte Membe in einer Rede in Sudans Hauptstadt Khartum. Wenn die Feindseligkeiten im Kongo nicht endeten, "wird dies eine Militäraktion hervorrufen", sagte er.

Der UN-Sicherheitsrat vertagte derweil seine am Dienstag begonnenen Diskussionen über eine Aufstockung der UN-Mission im Kongo (Monuc) um zwei Wochen auf den 26. November. UN-Diplomaten sind optimistisch, dass der Monuc-Vorschlag, 3.000 zusätzliche Soldaten zu entsenden, auf Zustimmung stoßen wird.

An der Kriegsfront bei Goma gab es am Dienstagabend erneut heftige Kämpfe. Die Rebellen sagten, sie hätten eine komplette Regierungskompanie mit 125 Mann aufgerieben und 30 bis 40 Soldaten getötet. Die Armee sprach von nur zwei Toten. Die beiden Seiten stehen beim Flüchtlingslager Kibati lediglich 200 Meter voneinander entfernt.

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