Promis krönen Schach-Olympiade: Botschafter des königlichen Spiels

Mehr Lobby geht kaum: Atze Brauner, Felix Magath und Supernase Mike Krüger werben für die Schach-Olympiade. Auch die Fantastischen Vier wollen clever sein.

Die Fantastischen Vier als Denkstrategen. Bild: dpa

Der Trick hat wieder funktioniert, wenn Sie diese Zeilen lesen. Viele Schach-Laien scheinen das königliche Spiel prinzipiell so einzuschätzen, wie die zweistündige Eröffnungsfeier der Schach-Olympiade in Dresden wirkte: dröge. Um dem Image zu entfliehen und trotzdem Medieninteresse zu wecken, bedienen sich die deutschen Schachveranstalter gerne Prominenter. Gleich eine ganze Heerschar an "Botschaftern" lassen die Sachsen aufmarschieren.

Mehr als die Schach-Legenden Karpow, Spasski oder Kortschnoi fungieren Sport- und Showstars als Türöffner: Die Riege reicht bei der 38. Olympiade von Fußballtrainer Felix Magath über Ex-Nationalspieler Marco Bode und die Klitschko-Brüder bis zu Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, Mike Krüger, Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und Filmproduzent "Atze" Brauner. Auch für den 90-Jährigen stellt die Rolle als Schach-Botschafter eine nützliche Symbiose dar: Zwar erhält keiner der Stars ein Honorar - dafür erstrahlt jeder aber für seinen "kleinkarierten" Dienst im hellen Licht eines Denkstrategen.

Von Vorteilen im eigenen Leben weiß Brauner, der seit dem fünften Lebensjahr Schach spielt, zu berichten: "Schach ist ein hervorragendes Gedächtnistraining, ich war beispielsweise in der Lage, mir über 700 Telefonnummern zu merken. Und: Auf dem Brett kreiere ich genauso eine eigene Welt wie bei der Realisierung eines Drehbuchs." Magath bricht ebenfalls eine Lanze für das Spiel der Könige: "Sportler müssen Strategie und Taktik beherrschen. Was viele nicht erkennen, lässt sich beim Schach begreifen: Es gilt in jeder Situation, nicht irgendeinen Zug zu machen, sondern den besten. Auch ein Fußballer sollte immer nach der besten Lösung suchen."

Magath schloss sich zu HSV-Zeiten in den 80ern auch der Schachabteilung an. Noch stärker als der einzige Torschütze im Europapokal-Finale 1983 gegen Juventus Turin spielt allerdings Marco Bode. Der ehemalige Bremer besitzt durchaus Oberliga-Niveau. Auf seiner Webseite trug er gegen seine Fans mehrfach Partien aus - und hielt online in einem Simultan gegen Exweltmeister Garri Kasparow 42 Züge lang durch. "Ein wunderbares Erlebnis", meint der Europameister von 1996 noch heute. Der stets faire Bode fing im Alter von elf Jahren mit Schach an, weil in der AG in Osterode (Harz) noch im Gegensatz zum Fußball Plätze frei waren. Bei seinem Hobby reize ihn "besonders, dass der Zufall - anders als im Fußball - keine Rolle spielt". Demnach ist die deutsche Männer-Nationalmannschaft im Dresdner Kongresszentrum stark: Nach drei der elf Runden hat sie als eines von neun Teams unter den 146 Teilnehmern 6:0 Punkte. Die deutschen Frauen sind bei 5:1 Zähler auch noch ungeschlagen. "Die unterschiedlichen Spielfiguren muss man richtig einschätzen können. Wie am Film-Set ist das spielerische Können entscheidend, nicht der Zufall", zieht Multitalent Mike Krüger einen Vergleich. Sehr laienhaft spielt Sängerin Vaile. Der 28-jährigen Olympiade-Botschafterin geht es bei ihren fast täglichen Partien weniger um Logik, sondern um "Entspannung". Die attraktive frühere "Marienhof"-Schauspielerin, die in mehreren "Tatort"-Folgen mitwirkte, wertete es schon als Erfolg, dass sie Smudo von den Fantastischen Vier "darauf hinweisen konnte, dass er Gefahr läuft, gleich seine Dame zu verlieren. Da war ich richtig glücklich. Denn er spielt eigentlich um Klassen besser als ich." Ausgeglichener geht es dagegen zwischen Wladimir und Witali Klitschko zu. Auf den 64 Feldern gilt der Schwur nicht, den ihre Mutter ihnen abringen konnte: niemals gegeneinander anzutreten. Wer gewinnt im Duell? "Das ist ziemlich ausgeglichen", verkünden sie unisono.

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