Porträt Ulrich Kirsch: Ein Soldat, der für Soldaten kämpft

Ulrich Kirsch, 57, ist der neue Chef des Bundeswehrverbands. Die Bundesregierung hat er schon mal geärgert, als er ihr Mitschuld an dem Tod deutscher Soldaten in Afghanistan gab.

Kirsch wollte eigentlich gar nicht Soldat werden, sondern am liebsten Elektroingenieur. Bild: dpa

Es ist jetzt Viertel vor zwölf, und Ulrich Kirsch hat kaum etwas gesagt. Dabei war es die Pressekonferenz, auf der er an diesem Donnerstag als künftiger Chef des Bundeswehrverbands vorgestellt werden sollte. Aber geredet hat vor allem der bisherige Chef, der ewige Oberst Bernhard Gertz, der seine eigene Schmissigkeit sichtlich gern hört: "In die Pfanne hauen", "juristisches Glatteis", "eingekniffenes Schwänzchen" … Daneben saß Kirsch, nickte und schaute mit seinen ruhigen dunklen Augen zu.

Ulrich Kirsch, Oberstleutnant, 57 Jahre alt, Schnauzbart, wird in den nächsten Wochen eine Soldatenvereinigung übernehmen, die den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr immer härter kritisiert. Die Polizeiausbildung werde vernachlässigt, und der Wiederaufbau komme im Vergleich zu den Militärausgaben viel zu kurz. Wenn Soldatenvertreter so etwas sagen, wird es für die Bundesregierung unangenehm.

Auch Kirsch wird deutlich, er macht das nicht bissig wie Gertz, aber ebenso scharf. "Die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung", sagte er, als im Oktober zwei Bundeswehrsoldaten bei Kundus getötet wurden. "Bundeswehrverband gibt Regierung Mitschuld am Tod der Soldaten", lauteten die Schlagzeilen, Merkels Minister ärgerten sich, und der Regierungssprecher verlangte eine Entschuldigung. Unter Soldaten kam die Äußerung dagegen gut an: "Kirsch hält der Politik den Spiegel vor", sagt ein Offizier, der Kirsch kennt und schon mehrfach in Afghanistan war, "die Rolle liegt ihm."

Kirsch wollte eigentlich gar nicht Soldat werden, sondern am liebsten Elektroingenieur. Er studierte schon zwei Semester in Kaiserslautern, da wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Er musste das Studium abbrechen und zur Luftwaffe nach Roth bei Nürnberg. Es gefiel ihm. Er wurde Offizier. Kompaniechef einer ABC-Abwehrtruppe, Adjutant im Heeresamt, Taktiklehrer an einer Offiziersschule, Bataillonskommandeur - eine ordentliche Laufbahn, er hätte vor drei Jahren in Pension gehen können. Aber dann hauten ihn Kameraden an, ganz oben im Bundeswehrverband mitzumachen. Wenn er das erzählt, hört sich das stolz an, und er sagt, dass es ihm genau darum gehe: Solidarität.

Die Pressekonferenz ist jetzt vorbei, Gertz gibt gerade noch ein Fernsehinterview. Daneben steht Kirsch und erzählt von Gesprächen mit Afghanistansoldaten. Einem habe die Frau plötzlich verboten je wieder dorthin zu gehen, er sehe einen Kampf in den Familien. Er spüre Ohnmacht, sagt er, viele fühlten sich allein gelassen. Daher wird er es verlangen, in seinem ruhigen Ton, aber beharrlich: Dass die Regierung die Ziele des Einsatzes endlich benennt.

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de