Ersatz für den Palast der Republik: Ein einzigartiger Wettbewerb

Gestritten wurde lange Zeit sehr heftig. Letztendlich jedoch soll nichts Neues gebaut werden. Die Jury entschied sich für eine Kopie des Barockschlosses.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (r) ist begeistert. Hier zusammen mit dem Juryvorsitzenden Vittorio Magnago Lampugnani (l). Bild: dpa

BERLIN taz Der "Architektenwettbewerb Humboldt-Forum" wird in die Geschichte der hauptstädtischen Bauwettbewerbe als Unikum eingehen. Er ist - was das Streitpotenzial angeht - vielleicht nur noch vergleichbar mit dem Verfahren zum Bau des Holocaust-Mahnmals. Denn hier wie dort hat sich der Bund als Bauherr massiv in die Überlegungen der Jury, der Architekten und Verbände eingemischt.

Zugleich war der Wettbewerb noch in anderer Hinsicht einzigartig, gab es doch eigentlich gar nichts Neues zu planen: Denn in der Berliner Stadtmitte sollte das ehemalige barocke Stadtschloss als Kopie wiedererrichtet werden. Der Bund und das Land Berlin hatten im Jahr 2000 die "Kommission Historische Mitte Berlin" eingesetzt. Diese schlug 2002 vor, "dass ein Neubau in der Kubatur des Schlosses auf dem originalen Standort anstelle des abzureißenden Palastes der Republik entstehen soll". Die Kommission beschied zudem "die Rekonstruktion von drei Barockfassaden und des Schlüterhofs". Dabei bleib es.

Der Deutsche Bundestag entschied 2002, das Stadtschloss zu rekonstruieren, und schrieb dies auch in die Auslobung 2006/2007 hinein.

Die Reibungsflächen wurden auch darum nicht geringer, weil der Wiederaufbau des Stadtschlosses als kulturell genutztes "Humboldt-Forum" den Abriss des Palastes der Republik voraussetzte. Ein Racheakt, wie viele meinten. 1950 war auf Anordnung des Generalsekretärs der SED, Walter Ulbricht, das Stadtschloss gesprengt worden. Das Symbol des preußischen Absolutismus, das Andreas Schlüter ab 1699 zum bedeutendsten barocken Profanbau Deutschlands ausgebaut hatte, versank. Der Platz wurde zur FDJ-Aufmarschfläche; 1976 entstand der Palast der Republik, der gerade in seinen letzten Resten abgerissen wird.

Bis heute monieren nicht nur Architekten aus der ehemaligen DDR diese politisch motivierte Schleifung und den Verzicht, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen - etwa in der Form, mit dem Bestehenden den baulichen Dialog zu suchen. Die größte Kritik - bis hinein in die Jury - aber wurde geäußert, weil der Wettbewerb beschränkt und begrenzt war. Christiane Edmaier, Vorsitzende des Berliner Bundes Deutscher Architekten (BDA): "In der Auslobung des Wettbewerbs hätte einer eigenständigen Entwurfshaltung Raum gegeben werden müssen." Zudem bleibe es ein Skandal, dass kleinere und junge Büros nicht zugelassen wurden.

Dass die eigene Handschrift der Zunft sich auf das Innere des Baus konzentrieren durfte, machte die Sache nicht besser: Weil die Schlosshülle das Nutzungskonzept auf 40.000 Quadratmeter im Inneren stark begrenzt, fehlten für die Unterbringung klare Konturen. Es war die Idee der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2004, die Außereuropäischen Sammlungen aus Dahlem, die "Weltkultur", im Schloss zu platzieren. Doch wie sich die Sammlung der Staatlichen Museen mit den weiteren Nutzern - der Zentral- und Landesbibliothek Berlin sowie der Humboldt-Universität - zu arrangieren habe, blieb bis zum Wettbewerbsende ein Fragezeichen.

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