Mythos Klinsmann entzaubert: Guru wird Trainer

Der FC Bayern ist der FC Bayern ist der FC Bayern. Daran kann nicht einmal Jürgen Klinsmann etwas ändern. Spektakulärer spielt derzeit sowieso Hoffenheim.

Aus dem FC Bayern ist kein FC Klinsmann geworden. Bild: ap

Er hat es überlebt, das erste Halbjahr als Trainer des FC Bayern. Jürgen Klinsmann darf strahlend in die Winterpause gehen. Auch nach dem 2:2 beim Mittelmaßklub VfB Stuttgart sieht er sein Team "auf Augenhöhe mit den europäischen Topklubs". Weil die Bayern in der Champions League so viele Punkte gesammelt haben wie kein anderer Klub in Europa, widerspricht ihm kaum einer. Und doch ist es nicht so, wie er es sich vor der Saison wohl vorgestellt hat. Der FC Bayern ist nicht zum FC Klinsmann geworden. Die Münchner sind geblieben, was sie waren. Der Alles-Umkrempler, als der der Sommermärchenmacher angekündigt wurde, er hat es nicht geschafft, den ersten Verein, den er trainiert, zur großen Liebe aller Fußballfreunde zu machen.

Da spielt keine Gauditruppe, die es versteht, Glanz in die Augen der Beobachter zu zaubern. Sie werden gehasst von denen, die die Bayern noch nie mochten - wie üblich. Sie werden beklatscht von denen, die sich schon immer über die Erfolge der Münchner gefreut haben. Wenn gestaunt wird über die Klasse des Spiels, dann ist es nicht Jürgen Klinsmann, dem die freudigen Gefühle gehören, es ist Franck Ribéry - auch nichts Neues.

War von Reformen die Rede, von einem neuen Geist in der Liga, dann ging es in der Hinrunde immer nur um die TSG 1899 Hoffenheim. Die Liga ist spektakulärer geworden. An Jürgen Klinsmann lag es nicht. Es ist nicht so, dass er nicht versucht hätte, den FC Bayern anders zu machen. Manchmal schien es, als wolle er verändern, um zu verändern. Er hat eine Dreierkette in der Abwehr spielen lassen. Warum? Hmm. Er hat Mark van Bommel, den Mann, der er zum Kapitän gemacht hat, eine Zeit lang nicht mitspielen lassen. Ob das eine gute Idee war, man weiß es nicht. Immerhin ist so gelungen, was auch als Bundestrainer seine große Stärke war: Er hat Themen gesetzt, hat für Schlagzeilen gesorgt. Einen besseren Fußball, einen schönen gar, hat sein Team deshalb nicht vorgetragen.

Immerhin spielte die Mannschaft erfolgreicher. Und Jürgen Klinsmann hat wohl eingesehen, dass es vielleicht gar nicht nötig ist, einen Klub wie den FC Bayern völlig umzukrempeln, dass ihm auch Buddha dabei nicht helfen kann. Die Bayern brauchen Erfolge. Und weil sie die eigentlich immer haben, können sie auf die Liebe aller Menschen im Lande getrost verzichten. Das Wort Bayern-Dusel ist an die Stammtische des Landes zurückgekehrt, wo über das Phänomen eines Bayern-Gens philosophiert wird. Sicher, die Rückkehr des Erfolgs an die Säbener Straße - 15 Spiele in Serie ungeschlagen - wird schon irgendetwas mit Jürgen Klinsmann zu tun haben. Doch als Gott oder Guru würde ihn wohl niemand mehr bezeichnen. Er ist in der Liga angekommen. Er ist Bayern-Trainer - ein ganz normaler.

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