die wahrheit

Das Haar des Hundes

Es gibt keine Hoffnung mehr. Das British Medical Journal hat ausgerechnet zum Jahresende, wenn Unmengen von Alkohol vertilgt werden, ...

... eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass es kein Mittel gegen Kater gebe. Wer zu viel trinkt, muss leiden, auch wenn so mancher auf seine Heilmethode schwört. Davon gibt es allerlei. Ein englisches Sprichwort besagt, dass das Haar des Hundes, der dich gebissen habe, dich wieder heilen werde. Mit anderen Worten: Wer einen schweren Kopf hat, weil er in der Nacht zuvor einen halben Liter Whiskey getrunken hat, sollte zum Frühstück ein weiteres Gläschen zu sich nehmen. Oder eine Bloody Mary. "Weil sich dein Blut um den neuen Alkohol kümmern muss, ignoriert es den alten", heißt es auf einer Website. "Unterdessen sorgen Tomatensaft und Sellerie für Vitamine." Aber wenn man nicht bis ans Lebensende weitersäuft, kommt der Kater irgendwann doch.

Dieser bei Trinkern gefürchtete Begriff stammt übrigens aus dem 19. Jahrhundert, er ist eine Ableitung des Wortes Katarrh, obwohl der mit Alkohol nichts zu tun hat. Es gibt verschiedene Stufen des Katers, vom Ein-Stern-Kater mit flauem Gefühl im Magen und Watte im Mund bis hin zum Sechs-Sterne-Kater, bei dem der Tod als willkommene Alternative erscheint. Im Internet gibt es jede Menge Ratschläge, wie man selbst einen Megakater überwindet. Manche schwören auf eingelegte Heringe, andere auf Tacos, die so scharf sind, dass man weinen muss, und wieder andere auf Borretsch, auch bekannt unter den Namen Blauhimmelstern, Herzfreude, Liebäuglein oder Wohlgemutsblume. Einer empfiehlt, wachzubleiben, weil die Leber dann mehr Alkohol verarbeiten könne. Schlafen Lebern denn auch? Sex am Morgen soll ebenfalls ein probates Antikatermittel sein. Dadurch schwitze man den Alkohol aus. Der Partner oder die Partnerin wird viel Freude an dem stinkenden Körper haben.

Engländer halten ihr traditionelles Frühstück für eine gute Heilmethode: gebratenen Speck, Würstchen, Eier und gebackene Bohnen. Als ob die Leber nicht schon genug zu tun hätte. In Irland soll man früher Leidende in einem feuchten Flussbett vergraben haben. Am irischen Nationalfeiertag, dem St. Patricks Day, steckte vermutlich die gesamte Nation im Schlamm. Es nützt aber alles nichts, behauptet das Ärzteteam Rachel Vreeman und Aaron Carroll. Weil der Kater mit der Zeit ohnehin nachlasse, glauben die Leute, sie haben ein Wundermittel gefunden.

Es gibt auch eine gute Nachricht: Das Durcheinandertrinken ist unerheblich für das Wohlbefinden am nächsten Morgen. Man kann also ruhig Alexis Korners Trinkerhymne zum Leitmotiv des Abends erheben: "One Scotch, One Bourbon, One Beer". Bei fünf von jeder Sorte wird es allerdings kritisch, es komme nämlich auf die Alkoholmenge an, schlaumeiern Vreeman und Carroll. Gesegnet sind die 25 bis 30 Prozent der Trinker, die immun gegen einen Kater sind. Den anderen rät Max Pittler von der Universität Exeter: "Um die Symptome eines Katers zu vermeiden, ist es am effektivsten, keinen Alkohol zu trinken."

Für solch bahnbrechende Erkenntnis werden Miesepeter wie Pittler von unseren Steuergeldern bezahlt.

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