Debatte Iran-Ausgrenzung: Zwischen Skylla und Charybdis

Bislang profitierten die arabischen Staaten von der Exklusion des Iran durch den Westen. Nun schwenkt Obama um, und die Angst vor einem noch mächtigeren Iran wächst.

"Wir akzeptieren keine Einmischung einer nichtarabischen Macht und auch nicht, dass Kräfte innerhalb der arabischen Welt Befehle oder Unterstützung von dieser Macht entgegennehmen." Mit dieser Äußerung begründete der ägyptische Justizminister Mufid Schehab die Absage seines Staatschefs, Husni Mubarak, an dem Jahrestreffen arabischer Staaten am Montag dieser Woche in Katars Hauptstadt Doha teilzunehmen.

Welche Macht der Minister im Blick hatte, war nicht schwer zu erraten, zumal es bei dem Treffen hauptsächlich um die Eindämmung des iranischen Einflusses in der Region ging.

Die gelegentlich auch offen ausbrechende Gegnerschaft zwischen dem Iran und den arabischen Staaten geht weit in die Geschichte zurück. 642 eroberte das Heer der Araber den Iran und zwang die Bevölkerung zum Übertritt zum Islam. Der Feldzug hinterließ bei den Iranern, die sich als eine große Kulturnation den Arabern weit überlegen fühlten, tiefe Wunden, die bis heute eine Rolle spielen. Nicht zuletzt deswegen herrscht in vielen arabischen Gesellschaften Misstrauen, ein mächtiger Iran könnte in die Versuchung kommen, die noch offene Rechnung von damals zu begleichen.

Mit der Gründung der Islamischen Republik kam noch die Furcht hinzu, die Revolution im Nachbarland könnte die Massen, allen voran die schiitischen Minderheiten in den arabischen Staaten, zur Rebellion anstacheln. Als der irakische Diktator Saddam Hussein 1980 mit massiver Unterstützung des Westens einen Krieg gegen die neu gegründete Islamische Republik startete, gewährten ihm sämtliche arabische Staaten mit Ausnahme von Syrien finanziell und militärisch Rückendeckung.

Nun ist der Iran in den letzten Jahren zu einer regionalen Großmacht geworden. Ob in Afghanistan oder im Irak, im Libanon oder in Palästina, immer ist der Iran bei wichtigen Entscheidungen mit von der Partie. Syriens Interessen sind mit denen Irans eng verflochten, und in den Golfstaaten nimmt der Einfluss Irans kontinuierlich zu. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad genießt aufgrund seiner Verbalattacken gegen Israel in der arabischen Welt große Sympathie, häufig hängt sein Bild in den Lehmhütten ärmerer Schichten. Hinzu kommt das iranische Atomprogramm. Die arabischen Herrscher fürchten, eine Atommacht Iran würde das gesamte Machtgefüge in der Region zu ihren Gunsten entscheiden.

Und nun bereitet auch noch die neue Strategie der USA den arabischen Staaten große Sorge. Aus allem, was in jüngster Zeit aus Washington verlautet, ist herauszuhören, dass die USA und mit ihnen der gesamte Westen eine Neubewertung Irans vorgenommen haben und das Land als eine regionale Großmacht akzeptieren. Für die arabischen Staaten, die seit der Gründung der Islamischen Republik von dem Konflikt zwischen dem Iran und dem Westen in vieler Hinsicht profitiert haben, könnte der Kurswechsel bedeuten, dass sie an den Rand geschoben werden. Obwohl die USA mehrmals versichert haben, sie würden keine Vereinbarung mit dem Iran treffen, ohne zuvor die arabischen Staaten zu konsultieren, wächst das Misstrauen, je deutlicher sich eine Annäherung zwischen Washington und Teheran abzeichnet.

Entsprechend häufen sich jetzt die Aktivitäten arabischer Staaten, um möglichen Übergriffen vorzubeugen. So beschlossen Saudi-Arabien, Ägypten, Kuwait und überraschend auch Syrien am 13. März in der saudischen Hauptstadt Riad, künftig "gemeinsam im Dienste der arabischen Interessen zu handeln". Die Initiative für das Treffen der vier Staatsoberhäupter war vom saudischen König Abdullah ausgegangen. Dass es ihm gelungen war, nicht nur Husni Mubarak aus Ägypten und den kuwaitischen Emir, Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah, einzuladen, sondern auch Baschir Assad aus Syrien, wurde in Teheran geradezu als Provokation empfunden.

Das ist aber nicht der einzige Erfolg, den die arabischen Staaten gegen Iran beziehungsweise gegen den sogenannten "schiitischen Halbmond" oder "schiitischen Gürtel" zu verzeichnen haben. Bei den Kommunalwahlen im Irak Ende Januar haben die pro-iranischen Schiiten eine herbe Niederlage hinnehmen müssen. Auch bei dem Konflikt zwischen Iran und dem kleinen Golfstaat Bahrain, der durch eine Äußerung des ehemaligen iranischen Parlamentspräsidenten Nategh Nuri ausgelöst wurde, musste der Iran zurückstecken. Nuri hatte in einer Rede behauptet, Bahrain sei früher die vierzehnte Provinz Irans gewesen. Teheran entschuldigte sich offiziell dafür. Dennoch haben sich die meisten arabischen Staaten demonstrativ hinter Bahrain gestellt. Ägypten bot Bahrain militärischen Schutz an und Marokko brach sogar die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab.

Es ist offensichtlich, dass die arabischen Staaten zurzeit um eine Frontbildung gegen den Iran bemüht sind. Dabei geht es in erster Linie um den Versuch, Syrien aus der Abhängigkeit vom Iran zu lösen und in die Gemeinschaft arabischer Staaten zurückzuführen. Saudi-Arabien ist seit geraumer Zeit bemüht, durch lukrative Angebote, Investitionen und Zugeständnisse in Libanon, Syrien die Rückkehr in den Schoß arabischer Staaten schmackhaft zu machen. Würde es zudem gelingen, eine Versöhnung zwischen Hamas und der PLO herbeizuführen und die Schiiten im Irak beziehungsweise die Hisbollah im Libanon dazu zu bewegen, sich langsam dem Iran gegenüber zumindest neutral zu verhalten, wäre die Front komplett.

Die Zeitung Arab News berichtete, König Abdullah habe den iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki bei einem geheim gehaltenen Treffen in Riad aufgefordert, die Bemühungen arabischer Staaten zur Beilegung des Nahostkonflikts nicht zu gefährden. Und Außenminister al-Faisal sagte im Hinblick auf die Unterstützung Irans für Hamas und Hisbollah: "Sosehr wir auch die iranische Unterstützung für arabische Anliegen schätzen, so sehr würden wir uns auch wünschen, dass diese Unterstützung durch legale arabische Kanäle fließen würde."

Dass die Bemühungen der arabischen Staaten nicht notwendig zum Erfolg führen, zeigte sich beim Jahrestreffen in Doha. Zwar betonte der Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, das iranische Atomprogramm gebe Anlass "zu größter Besorgnis", und fügte provokativ hinzu, die arabischen Staaten seien sich einig, dass der Iran die drei Inseln am Persischen Golf, die zum Territorium der Vereinigten Arabischen Emirate gehörten, zurückgeben müsse. Doch Assad blieb standhaft und vertrat bezüglich der Nahostkonflikte weitgehend den Standpunkt Irans.

Auch Katar ergriff für die iranische Position im Palästina-Konflikt Partei und stellte sich auf die Seite der Radikalen. Die arabischen Staaten haben sich in der Vergangenheit noch nie auf eine gemeinsame Strategie einigen können. Und fest steht, dass weder ein Machtzuwachs der Islamisten im Iran noch ein Erfolg arabischer Potentaten die Bürger in der Region entlasten wird.

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