Virus breitet sich weltweit aus: Erster Schweingrippefall in Deutschland

In Bayern wurde die erste Infektion mit dem neuen Grippevirus bestätigt. Die Grippe breitet sich inzwischen auch nach Asien aus. WHO spricht nun von einer Pandemie.

Könnte bald auch bei uns ein gewohnter Anblick werden: Paar in Mexiko. Bild: dpa

BERLIN/GENF ap/dpa/rtr | Deutschland hat einen ersten Fall von Schweinegrippe. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums hat sich am Mittwoch früh der Verdacht bei einem Patienten aus der Nähe von Regensburg bestätigt. Dies hätten Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts ergeben.

Neben dem Patienten gibt es in Bayern zwei weiterere Verdachtsfälle, über die Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) am Dienstag informiert hatte. Seither waren die Behörden intensiv damit beschäftigt, Klarheit über eine mögliche Infektion mit dem Virus zu schaffen. Jeweils einen weiteren Verdachtsfall gibt es im Raum Donauwörth und im Raum Kulmbach, sowie drei in Nordrhein- Westfalen und einen in Hamburg.

Unterdessen bereitet sich der Münchner Flughafen auf die Ankunft eines Flugzeuges aus Mexiko vor, das gegen Mittag erwartet wird. Der Airbus 330 mit Platz für 275 Passagiere kommt aus Cancun und soll um 12.00 Uhr landen. Sollten an Bord des Fluges LT 1415 Reisende mit verdächtigen Symptomen sein, wird die Maschine an eine isolierte Abstellposition geleitet. Betroffene sollen dann je nach Ergebnis ärztlicher Untersuchungen in eine Isolierstation gebracht werden.

Nach Amerika und Europa hat die Krankheit am Dienstag auch den asiatisch-pazifischen Raum und den Nahen Osten erreicht. Angesichts der vor allem in Mexiko grassierenden Seuche hob die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Pandemie-Warnung von der dritten auf die vierte von sechs Alarmstufen an.

Die meisten Bundesländer sehen sich für einen Ausbruch der Schweinegrippe in Deutschland gut vorbereitet. Sie könnten rund 20 Prozent ihrer Bevölkerung problemlos mit Grippemitteln versorgen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag bei den zuständigen Gesundheitsministerien ergab.

In Spanien wurde ein Patient in einem Krankenhaus in Valencia positiv auf das Virus getestet, wie Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez mitteilte. Der erste Krankheitsfall in Spanien wurde am Montag bestätigt. Es war zugleich der erste Schweinegrippefall in Europa. Zwei anschließend aus Schottland gemeldeten Schweinegrippepatienten geht es nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown besser.

Insgesamt gibt es Verdachtsfälle in mindestens sieben weiteren EU-Staaten: in Österreich, Tschechien, Italien, Griechenland, Irland, Dänemark und Schweden. EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou hält aber offizielle Reisebeschränkungen angesichts der Schweinegrippe bislang für nicht erforderlich und warnt vor einer Panik. "Derzeit sehe ich keinen Anlass für Reisebeschränkungen", sagte Vassiliou am Dienstag in Brüssel. Am Donnerstag wollen die EU-Gesundheitsminister in Luxemburg zu einem Krisentreffen zusammenkommen.

In Neuseeland sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 11 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Außerdem gibt es dort 43 weitere Verdachtsfälle. Auch aus Südkorea wurde ein Verdachtsfall gemeldet. Weltweit wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen. In Mexiko sind allem Anschein nach schon 152 Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Fast 2.000 Verdachtsfälle werden zurzeit noch überprüft.

In den USA stieg die Zahl der bestätigten Erkrankungen auf rund 50, Todesfälle gab es dort vorerst noch nicht. US-Präsident Barack Obama zeigte sich besorgt über die Ausbreitung der Schweinegrippe, betonte aber, es gebe keinen Grund, Alarm zu schlagen. Sechs bestätigte Erkrankungen gibt es bereits in Kanada.

Der stellvertretende WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda räumte ein, dass eine Eindämmung derzeit kaum möglich sei, da das Virus sich bereits auf mehrere Länder ausgebreitet habe. Vier Labore seien weltweit damit befasst, das mutierte Virus zu analysieren und die Entwicklung von Impfstoffen vorzubereiten, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl. "Wir wissen, dass alle Übertragungen bisher von Mensch zu Mensch vor sich gegangen sind", sagte Hartl. "Wir suchen noch nach dem Ursprung des Virus", betonte er. Es gebe zudem noch keine Hinweise, dass es von Schweinen auf den Menschen übertragen wurde. Der Genuss von zubereiteten Schweinefleisch sei kein Problem.

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