General Motors pleite: Koloss in Staatshand

Der ehemalige Auto-Gigant General Motors verursacht die größte Pleite in der US-Geschichte und beantragt Gläubigerschutz.

Um ein Aus von GM zu verhindern, wird der Autobauer weitgehend verstaatlicht. Bild: dpa

WASHINGTON taz | General Motors hat gestern Mittag in New York Insolvenz angemeldet. Es ist die letzte Chance, den einst größten Autobauer der Welt zu retten. Während der Umstrukturierung übernimmt der Staat 60 Prozent der Anteile. Durch die Verstaatlichung des früheren Symbols des US-amerikanischen Kapitalismus soll ein geschrumpftes Unternehmen entstehen, das sich auf die profitablen Marken Chevrolet, Cadillac und Buick beschränkt. Binnen 18 Monaten will die Regierung ihre Anteile verkaufen.

Noch vor acht Monaten sagte der damalige Geschäftsführer Rick Wagoner auf der Hundertjahrfeier, das Unternehmen werde auch in den kommenden hundert Jahren führend sein. Danach ging es rasant bergab. US-Präsident Barack Obama ist jedoch zuversichtlich, dass General Motors aus der Insolvenz geführt werden kann, auch wenn das Unternehmen danach nur noch wenig mit dem Koloss von früher gemein haben wird. Selbst wenn der Verkauf bei 10 Millionen Autos im Jahr in den USA stagnieren und der US-Marktanteil auf unter 20 Prozent fallen sollte, werde der Plan aufgehen, glaubt Obama.

Die Alternative zur vorübergehenden Verstaatlichung wäre schlimmer, sagte er. Die Liquidation von General Motors würde die Arbeitslosenzahlen auf über zehn Prozent treiben. Deshalb werde man weitere 30 Milliarden Dollar Steuergelder in den Konzern pumpen. 20 Milliarden hatte General Motors bereits kassiert, um die Solvenz zu erhalten. Ob die Investitionen jemals wieder hereingeholt werden können, ist fraglich. "Wir glauben nicht, dass sie nach den 30 Milliarden weiteres Geld brauchen werden", sagte ein Regierungsbeamter. "Tatsache aber ist, dass es unbekannte Faktoren gibt - zum Beispiel, wann sich der Automarkt erholt und inwieweit Toyota, Honda und Volkswagen von dem Chaos profitieren werden."

General Motors muss 21.000 Arbeiter entlassen und 12 bis 20 Fabriken schließen. Zwei Fünftel der 6.000 GM-Autohändler müssen dichtmachen. Die Gewerkschaft muss die Hälfte des 20 Milliarden Dollar teuren Gesundheitsfonds selbst zahlen, erhält dafür aber 17,5 Prozent am neuen Unternehmen. Die Gläubiger bekommen 10 Prozent, verzichten dafür aber auf 27 Milliarden Dollar. Die bisherigen Aktionäre bekommen so gut wie nichts.

Lawrence Summers vom Nationalen Wirtschaftsrat sagte, die Regierung habe vor der Wahl gestanden, nichts zu tun und GM unkontrolliert bankrottgehen zu lassen, was hohe Folgekosten nach sich gezogen hätte, oder einen kontrollierten Prozess einzuleiten, bei dem das Unternehmen nicht nur umstrukturiert würde, sondern auch ohne hohen Schuldenberg neu anfangen könnte. "Es ist ein schmaler Grat", sagte Summers, "aber wir glauben, es kann gelingen." Sobald dieser Neuanfang in die Wege geleitet worden sei, wolle sich die Regierung aus dem Tagesgeschäft zurückziehen.

Das wird nicht einfach. Schon jetzt stellen verschiedene Kongressabgeordnete die Frage, warum ein Staatsunternehmen weiterhin in Mexiko und Südkorea statt in Indiana, Michigan, Ohio und Wisconsin produzieren sollte. Obama wird noch in dieser Woche eine Reihe von Kabinettsmitgliedern in diese Bundesstaaten entsenden, denn die sind am stärksten von der Verschlankung des Konzerns betroffen.

Der GM-Rivale Chrysler, der bereits vor einem Monat Insolvenz beantragt hatte, soll durch den Einstieg von Fiat gerettet werden. Ein US-Gericht hatte am Sonntagabend den Weg für den Deal freigemacht. Demnach erhält Fiat vorerst 20 Prozent der Aktien mit möglicher Steigerung auf 35 Prozent, der Pensionsfonds bekommt 55 Prozent, die kanadische und die US-Regierung den Rest. Lediglich Ford, der dritte große Autobauer, will ohne Staatshilfe durchhalten.

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