Erneuerbare Energien auf Vormarsch: Strommarkt läuft trotz Krümmel

Auch nach dem langfristigen Ausfall von Krümmel deutet nichts auf Stromknappheit hin.

Läuft auch ohne AKW'S: Der Strommarkt. Bild: dpa

FREIBURG taz | Die Strommärkte zeigen sich vom Ausfall des Atomkraftwerks Krümmel ungerührt. Zwar wirbelt der Störfall vom vergangenen Wochenende die Politik noch immer durcheinander - erst gestern meldete sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit einer Krümmel stützenden Botschaft zu Wort, während Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Krümmel nie wieder ans Netz lassen will. Aber die Preise an der Leipziger Strombörse EEX haben auf das Ereignis nicht erkennbar reagiert. Die Terminkontrakte für das laufende und auch das kommende Jahr zeigten sich nach dem Störfall ohne eindeutige Tendenz. Stromlieferungen für das kommende Quartal wurden am ersten Handelstag nach dem Störereignis sogar noch einen Hauch billiger gehandelt als vor dem Störfall in dem Atomkraftwerk in der Nähe von Hamburg.

So belegt derzeit die Börse, dass die Marktteilnehmer keine Verknappung an Strom erwarten, obwohl in Krümmel eine Kraftwerksleistung von mehr als 1.300 Megawatt bis weit ins Jahr 2010 hinein ausfallen wird. Das ist umso beachtlicher, als derzeit auch noch eine ganze Reihe weiterer Atommeiler stillsteht: Biblis A und Biblis B sind ebenso in Revision wie Gundremmingen B und Philippsburg 2. Von 6.300 Megawatt installierter Atomkraft waren bei RWE jüngst nur 2.450 verfügbar - das sind gerade 39 Prozent.

Bundesweit ist die Produktion aller Atomkraftwerke nach dem Ausfall in Krümmel zeitweise auf 11.500 Megawatt gesunken, das entspricht gerade 56 Prozent der installierten Leistung der Atomkraftwerke. Dennoch war Strom zu keinem Zeitpunkt knapp, eine Lücke bei der Stromversorgung war an den Marktdaten nicht erkennbar: Der Strompreis am Spotmarkt der Leipziger Strombörse lag in den letzten Wochen stets zwischen 30 und 50 Euro je Megawattstunde und damit sogar etwas niedriger als im Mittel der vergangenen beiden Jahre.

Bereits im ersten Quartal dieses Jahres war die Stromerzeugung der deutschen Atomkraftwerke gegenüber dem Vorjahr nach Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen um 7,4 Prozent gesunken. Auch im weiteren Verlauf des Jahres 2009 liegt der Atomstrom deutlich unter dem Vorjahreswert. So deutet sich bereits jetzt an, dass der Anteil der Nuklearenergie am deutschen Strommix im Jahr 2009 auf ein Rekordtief fallen wird. In den letzten beiden Jahren hatte die Atomkraft im Mittel noch zwischen 22 und 23 Prozent des Strombedarfs Deutschlands gedeckt, in diesem Jahr dürfte der Anteil nur noch knapp über 20 Prozent liegen und damit den niedrigsten Wert seit den Achtzigerjahren erreichen. Vor zehn Jahren hatte der Anteil des Atomstroms am deutschen Gesamtbedarf noch bei fast 31 Prozent gelegen.

Die Gründe der sinkenden Stromerzeugung der Reaktoren in den Atomkraftwerken sind vielfältig. Zum einen verdrängen immer mehr erneuerbare Energien wie Windkraft und Solarenergie, die bei der Einspeisung ins Netz durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Vorrang genießen, den Strom aus den Atomkraftwerken. Zum anderen aber - siehe Krümmel - steigen die Ausfallzeiten der alten Reaktoren.

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