NEUE ENERGIE: Kraftwerk ohne Bürgergeld

Ein langer Streit mit der Baufirma verzögert den Bau des Weserkraftwerks. Nun ist die Idee, den Bau mit einem "Bürgerfonds" zu finanzieren, abgeblasen worden

Bisher stürzt die Wasserenergie ungenutzt über das Wehr - im Hintergrund die Baustelle Weserkraftwerk Bild: kawe

Seit Monaten gibt es wenig sichtbaren Baufortschritt am Weserwehr, wo ein Wasserkraftwerk entstehen soll, und die interessierten Anleger werden vertröstet. Nun gibt es zwei schlechte Nachrichten, die wenigstens Klarheit bringen: Das Kraftwerk wird teurer als gedacht, und den geplanten "Bürgerfonds", über den sich engagierte BremerInnen an dem Projekt finanziell beteiligen wollten, wird es nicht geben. Vorerst jedenfalls.

Aufgrund der finanziellen Risiken konnte in dem Prospekt für Anleger nicht wasserdicht angegeben werden, welche Rendite sie zu erwarten haben, erklärt Tandem-Geschäftsführer Dietrich (Hucky) Heck. Er war mit seiner Firma Tandem bis vor einer Woche in der Geschäftsführung der "Weserkraftwerk-Verwaltungs-GmbH". Nun ist der frühere Ortsamtsleiter raus aus dem Projekt - die Kommanditisten SWB und Enercon haben die Geschäftsführung direkt übernommen und wollen ohne "Bürgerfonds" bauen. Den interessierten Anlegern - es waren nach Hecks Angaben 1.800, "das Interesse war enorm" - musste Tandem einen Absage-Brief schreiben. 51 Prozent der Betreibergesellschaft sollten "von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern gehalten werden", so steht es noch heute auf der Webseite. Das ist seit einer Woche überholt.

Bisher ist eine 20 Meter tiefe Baugrube ausgehoben, die mit Wasser voll gelaufen ist. Dort soll eine Betonsole und dann das Kraftwerk mit seinen Turbinen hinein - oben wird man am Ende wenig sehen. Nach den ursprünglichen Plänen sollte jetzt im Herbst 2009 alles fertig sein, derzeit vertröstet man sich auf Ende 2010. Aber es könnte auch 2012 werden.

Hintergrund der Kostensteigerung und der Verzögerungen sind umfangreiche Auseinandersetzungen mit der Baufirma, einer Arbeitsgemeinschaft unter Federführung der Bauer AG. "Wir haben in einem Jahr mehr als 350 Briefe von denen bekommen", sagt Heck - juristisches Hickhack mit dem Ziel, die vereinbarte Bausumme hoch zu drücken. "Wo man hinguckt in der Baubranche wird dieses Spiel gespielt", sagt Heck - "aus meiner Sicht sind die Nachforderungen gegenstandslos." Aber da man nie weiß, wie ein möglicher Prozess in fünf Jahren ausgeht, mache der Streit das Projekt finanziell unsicher. Nun haben SWB und Enercon die Geschäftsführung direkt übernommen, die "Erfinder" des Kraftwerks um Heck sind nur noch als Berater dabei.

Hinter der beauftragten Schachtbau Nordhausen GmbH steckt pikanterweise die "Bauer Gruppe" des Schatzmeisters der CSU, Thomas Bauer. Der Mann, auf den Horst Seehofer große Stücke hält, wäre jüngst beinahe Wirtschaftsminister im Merkel-Kabinett in Berlin geworden.

"Nicht gescheitert, sondern ausgesetzt" sei die Idee des Bürgerfonds, sagt die Sprecherin der SWB, Britta Schell. Wenn das Weserkraftwerk in Betrieb gegangen ist, nach derzeitigen Planungen 2010, dann soll sie erneut "geprüft" werden - mit belastbaren Rendite-Erwartungen für einen Beteiligungs-Prospekt. SWB und Enercon wollten das Projekt "verstärkt mit eigenem Personal" - auch auf der Baustelle - vorantreiben, deswegen hätten sie auch die Geschäftsführung selbst übernommen: "Wir möchten das Projekt zügig erfolgreich zu Ende bringen".

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