TV-Duell Steinmeier-Merkel: "Ihm genützt und ihr nicht geschadet"

Kandidat Steinmeier greift Angela Merkel höflich an. Die weicht höflich aus. Ob das TV-Duell der SPD reicht, um zurück ins Spiel um die Macht zu kommen, ist zweifelhaft.

Merkel, die enorm Beliebte, verliert Sympathien - Steinmeier, der Unbekannte, gewinnt Sympathien. Bild: ap

BERLIN taz | Jeder wusste, dass sich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier ähnlich sind. Niemand hatte ein Duell mit scharfen Angriffen erwartet - doch dass es exakt so friedlich wurde wie erwartet, hatte doch etwas Verstörendes. Man war überrascht von so viel Überraschungslosigkeit.

Das lag vor allem an Kanzlerin Merkel, die bloß keine Angriffsfläche bieten wollte. Ihr Bekenntnis zu Schwarz-Gelb klang matt. Festlegungen vermied sie tunlichst. Sogar die internationale Finanzsteuer, die die SPD neuerdings anstrebt, konnte Merkel sich vorstellen. Ihr Ehrgeiz erschöpfte sich darin, möglichst oft das Wort "Wachstum" unterzubringen und sich ansonsten durch Fragen nicht weiter behelligen zu lassen. Engagiert wirkte sie nur, wenn es galt, Nachfragen von Journalisten abzuwimmeln.

Die Botschaft des Auftritts: Sie weicht keinen Millimeter von ihrem präsidialen Stil ab. Was Schwarz-Gelb tun wird, bleibt ein Staatsgeheimnis. Damit will die Union verhindern, dass es, wie 2002 und 2005, doch noch einen Lagerwahlkampf gibt. Der Nachteil dieser Inszenierung für die Union: Merkel enttäuscht so die eigene Klientel. Die CDU hat bei den Wahlen im Saarland, in Thüringen und Hessen dramatisch in ihrem katholischen Kernmilieu verloren. Merkels wolkiger Mittewahlkampf kann, so Parteienforscher Franz Walter zur taz, dazu führen, "dass ein Teil der christlich-konservativen Klientel zu Hause bleibt". Merkel setzt zudem angesichts der Krise nur auf Sicherheit. Doch je mehr die Wähler sich an die Krise gewöhnen, desto eher stellt sich auch die Gerechtigkeitsfrage. Und dabei punktet die SPD.

Frank-Walter Steinmeier wirkte etwas lebendiger als Merkel. Er machte beim Thema Steuerpolitik, das seltsam unterbelichtet blieb, einen überraschenden Punkt. Wenn Schwarz-Gelb die Steuern um 50 Milliarden Euro im Jahr senkt, brauche es "9 Prozent Wirtschaftswachstum" (Steinmeier), um die Steuerausfälle zu kompensieren. Steinmeier lobte die große Koalition, warnte vor Schwarz-Gelb und griff bei Atomausstieg und Managergehältern an - allerdings so, als würde er den Wetterbericht vorlesen. Unterscheidbar sein, nicht aggressiv, so der Plan. Der ging, abgesehen von einem bizarren Eigentor beim Thema Dienstwagen, auch auf.

So haben es laut Umfragen auch die Zuschauer gesehen. Merkel, die enorm Beliebte, verliert Sympathien - Steinmeier, der Unbekannte, gewinnt Sympathien. Genau so, wie es vorher erwartet worden war. "Es hat ihm genützt und ihr nicht geschadet", so das lakonische Resümee von Steffi Lemke, Bundesgeschäftsführerin der Grünen.

Die Schlüsselfrage lautet nun, ob die SPD wie 2002 und 2005 wieder Bürger, die eher zum Nichtwählen neigen, mobilisieren kann. Davon hängt ab, ob es für Schwarz-Gelb reicht. Wichtig sind für die SPD zwei Daten. Steinmeier hat vor allem bei Unentschlossenen gepunktet. Laut Forschungsgruppe Wahlen fanden 18 Prozent Merkel besser, 34 Steinmeier. Diese Zahl ist für die SPD ein Silberstreif am Horizont.

Allerdings mit einer Wolke davor. Denn das Duell sahen nur 14 Millionen Zuschauer, 7 Millionen weniger als 2005. Und nur 3 Millionen schalteten bei den Privaten RTL und Sat.1 ein. Dies ist ein Indiz dafür, dass jene unteren sozialen Schichten, die die SPD 2002 und 2005 mobilisierte, wenig Interesse zeigen. "Die bildungs- und politikfernen Schichten sind am Sonntag", so Franz Walter, "lieber in die Videothek gegangen."

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