Rudolf Herz-Ausstellung in Köln: Lenin - das Ende der Tour

Der Münchner Künstler Rudolf Herz schickte einen als Denkmal entsorgten Lenin auf Expedition ins 21. Jahrhundert

"In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an, die fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern verfügen": Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, das 21. Jahrhundert erklären zu wollen, war wohl eine eher verwegene Idee von Rudolf Herz, als er in den Jahren 2003 und 2004 mit "Lenin on Tour" ging. Über die Systemrelevanz der Banken, wie man heute sagt, in deren Folge nun die öffentlichen Haushalte weltweit auf lange Zeit hin ruiniert und die politischen und gesellschaftlichen Spielräume des 21. Jahrhundert definiert sind, war sich Lenin, wie das Zitat zeigt, jedenfalls längst im Klaren.

Die Banken sind denn auch daran schuld, dass Lenin und seine zwei unbekannten Begleiter, die insgesamt immerhin 13 Tonnen wiegen und einem Dresdner Denkmal entstammen, das der russische Bildhauer Grigorij Jastrebenetskij 1974 geschaffen hat, zwanzig Jahre nach dem Untergang der DDR und ihrer speziellen Denkmalskultur nicht nach New York auf Tour gehen können. Den dortigen Kunstinstitutionen fehlt das Geld für den geplanten Epilog. Er findet nun im Kölner Museum Ludwig statt und beinhaltet neben der Ausstellung, dem umfangreichen Künstlerbuch (erschienen im Steidl Verlag, Göttingen) auch einen Film von der vierwöchigen Reise des rastlosen Denkmals durch Deutschland, Italien, Tschechien und die Schweiz. Dokumentiert ist eine "Forschungsreise in die postkommunistische Gegenwart", wie der Konzeptkünstler Rudolf Herz sein Unternehmen sah. Weshalb auch, wo immer Lenin auftauchte, "prominente oder kluge Menschen" eingeladen waren, dieser Gegenwart in Vorträgen etwa über den "Turbokapitalismus" oder das ökonomische und soziale Modell der "Glücklichen Arbeitslosen" auf die Spur zu kommen.

Es war also von Anfang an "Lenin on Tour", der uns das 21. Jahrhundert erklären sollte, wobei Rudolf Herz der Sinn weder nach frivolem Revolutionspop noch nach althergebrachter Marxismus-Leninismus-Schulung stand. Es ging ihm vielmehr um einen aktuellen, mit theatralen, künstlerischen Mitteln erarbeiteten Forschungsstand zum modernen Alltagsleben, um eine Expedition an die Orte des Konsums, der Arbeit, der Menschen- und Warenströme, zu den Hightech-Zonen wie den verlassenen Industrielandschaften in Ost und West. Die bis zum 31. Januar in Köln präsentierten Ergebnisse, sie sind heute wohl relevanter denn je.

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de