Handballer über EM-Organisation: "Das ist schon provinziell hier"

Konrad Wilczynsky, Linksaußen der österreichischen Nationalmannschaft, über die Handball-EM im Land der Skifahrer und die Hoffnung auf begeisterte Zuschauer.

Am Dienstag beginnt in Österreich die Handball-EM. Bild: dpa

taz: Herr Wilczynski, Österreich und Handball! Wenn überhaupt, dann denkt man in dieser Kombination höchstens an die Frauen aus Ihrem Land.

Konrad Wilczynski: Das ist richtig. Der Handballsport in unserem Land wurde bisher ausschließlich und leider nur von einem Damenteam, nämlich Hypo Niederösterreich, dominiert. Die haben sogar mehrmals die Champions League gewonnen. Der Männerhandball in Austria ist bis heute nicht mehr als eine klassische Randsportart. Keine Erfolge, wenige Zuschauer, kaum Medienpräsenz, irgendwie ziemlich provinziell.

Da kommt die EM ja gerade zur rechten Zeit!

Das sehen wir auch so. Die EM ist eine Riesenchance, den Männerhandball in unserem kleinen Land zu etablieren, der Sportart Handball einen anderen Stellenwert zu verpassen. Der Vorverkauf spricht eindeutig dafür, dass das gelingen kann. Es ist so etwas wie eine kleine EM-Begeisterung ausgebrochen. Wir spielen jetzt Handball in großen und modernen Stadt- und Eishallen. Das war vor zehn Jahren noch undenkbar.

Aber diese EM dauert nur zwei Wochen, und dann ist der Spuk doch wieder vorbei!

Das EM-Konzept in Österreich ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Es soll wirtschaftlich richtig was hängen bleiben. Mit dem Geld soll im Anschluss an die EM ein professionelles Nachwuchskonzept umgesetzt werden. Das liegt schon fertig beim Verband in der Schublade. Vielleicht wollen dann in ein paar Jahren die österreichischen Burschen nicht mehr nur Skirennfahrer werden, sondern sogar Handballer. Ein paar wenigstens.

Dafür wäre ein gutes Abschneiden Ihres Teams von Vorteil.

Unser Ziel ist das Erreichen der Hauptrunde. Es ist ja generell immer schade, wenn der Gastgeber bei großen Turnieren früh ausscheidet. Wenn wir weiterkommen, dann kann echte Handballbegeisterung entstehen. Sogar in Österreich!

Wie schätzen Sie denn Ihr Team ein? Ist das Überstehen der Vorrunde überhaupt realistisch?

Der österreichische Männerhandball ist derzeit so stark wie noch nie. Österreichische Handballer spielen mittlerweile fast überall in Europas Ligen. Allein acht in Deutschland, einige in Spanien, Dänemark und der Schweiz. Das ist zwar keine Garantie dafür, dass wir gemeinsam für Österreich erfolgreich spielen, aber ein kleiner Vorteil ist das sicher. Allerdings ist die EM das erste echte Großereignis für uns. Es war ja noch nie ein Spieler bei einer EM oder WM. Ich hoffe, wir sind deshalb nicht so nervös.

Es gibt ja noch den Heimvorteil!

Ein großer Vorteil, keine Frage. Man hat bei den letzten Handball-Europa- und -Weltmeisterschaften ja gesehen, was das ausmachen kann. Das wollen wir natürlich ebenso nutzen. Allerdings haben auch die Deutschen einen Heimvorteil. Die spielen in Innsbruck. Und wie ich die verrückten deutschen Handballfans kenne, wird die Innsbrucker Halle sicher vollständig von den Deutschen besetzt. Das Turnier hat also einen doppelten Heimvorteil.

Interessant wird es also dann, wenn Österreich auf Deutschland trifft.

Ganz sicher. Aber das kann ja frühestens im Halbfinale passieren. Ein Glück!

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