Sparkurs in Irland: Grüne Insel in roten Zahlen

Irlands Verschuldung hat sich innerhalb von vier Jahren vervierfacht. Das Wachstum brach ein. Nun kürzt die Regierung beim Geld für Kinder, Arbeitslose und Beamten.

Jobs werden knapp: Mitarbeiterin des Computer-Herstellers Dell in Limerick in Irland. Bild: dpa

DUBLIN taz Zuerst packten die Immigranten aus Polen und den baltischen Staaten ihre Koffer. Inzwischen verlassen auch die Iren die Grüne Insel. Zum ersten Mal seit 1995 nimmt die Bevölkerungszahl Irlands wieder ab. 60.000 Iren sind im vergangenen Jahr nach Kanada, Australien und Neuseeland ausgewandert. Darüber hinaus sind schätzungsweise 50.000 Iren illegal in die USA eingereist, weil die Einwanderungsbestimmungen dort erheblich verschärft worden sind.

Irland hat eine rasante Berg- und Talfahrt hinter sich. Den Weg vom Armenhaus Europas zu einem der reichsten Länder der Welt legte das Land innerhalb von zehn Jahren zurück. 2008 kündigte sich das Ende der Party an. Im vorigen Jahr fiel das Bruttoinlandprodukt um 7,3 Prozent, die Arbeitslosigkeit hingegen stieg auf über zwölf Prozent.

Irland ist stärker von der Wirtschaftskrise betroffen als die meisten EU-Länder. Hauptursache ist die geplatzte Immobilienblase, denn die Bauindustrie war jahrelang der Motor für den Boom. Seit 2008 ist sie aber um 80 Prozent geschrumpft. Überall im Land stehen halbfertige Häuser herum. Den Eigentümern, die die Grundstücke während der Boomjahre zu überhöhten Preisen gekauft haben, ist das Geld ausgegangen, und die Banken geben keine Kredite mehr. Ein großes Baugelände in Athlone im Zentrum Irlands war 2006 zum Beispiel noch 31 Millionen Euro wert. Heute sind es 600.000.

Irland gehört zu den "Piigs"-Staaten, den "Finanzschweinen": Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien gelten als besonders gefährdet. Ihre Verschuldung sorgt an den Finanzmärkten seit Wochen für Unruhe und setzt den Euro unter Druck.

Im Gegensatz zu Großbritannien, das dem Euro bisher ferngeblieben ist, kann Irland den Geldwert nicht als Regulierungsmittel einsetzen. Dabei sind Irlands Schulden immens. Das Haushaltsdefizit ist Ende Februar auf 2,4 Milliarden Euro angestiegen. Die Regierung hat in den ersten beiden Monaten des Jahres eine Milliarde Euro weniger Steuern eingenommen als im Vorjahreszeitraum. Und da sind die faulen Kredite noch nicht eingerechnet: Giftpapiere im Schätzwert von 80 Milliarden Euro sollen bald in eine "Bad Bank", die "National Asset Management Agency" (NAMA), überführt werden.

Der von Finanzminister Lenihan im Dezember verkündete Haushaltsplan für 2010 sieht Einsparungen in Höhe von vier Milliarden Euro vor. Das sind 2,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Kindergeld wird um zehn Prozent gekürzt, die Arbeitslosenhilfe um vier Prozent, Beamte und Staatsangestellte bekommen 15 Prozent weniger und müssen obendrein mehr in die Rentenkasse einzahlen. Dass der soziale Friede bislang hält, liegt wohl am Schockzustand der Nation.

Die Europäische Kommission prognostiziert, dass sich die irische Staatsverschuldung, die 2007 noch 25,1 Prozent des BIP betrug, bis 2011 auf 96 Prozent beinahe vervierfachen wird. Das wäre exakt der Stand von 1990, als der Boom langsam Fahrt aufnahm. Finanzagenturen haben ihre Zweifel, was die Zahlungsfähigkeit des irischen Staats angesichts dieser steigenden Verschuldung angeht: Das Rating für Irland wurde im Juni 2009 auf AA herabgesetzt, was bedeutet, dass der Staat höhere Zinsen für seine Kredite zahlen muss.

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