Debatte Arktis-Aufteilung

Grenze auf zum Plündern

Der Grund für die plötzliche Einigung zwischen Moskau und Oslo ist nicht nur der Wunsch nach Entspannung. Es geht auch darum, zu verhindern, dass sich andere einmischen.

Wenn der größte bislang ungelöste Grenzkonflikt in Europa friedlich zu Ende geht, ist das zunächst mal eine gute Nachricht. Zu Zeiten des Kalten Krieges kam es in der Arktis immer wieder zu Scharmützeln, die den Keim weit größerer Konflikte in sich trugen. Und noch vor zwei Jahren hatte eine EU-Studie im Streit Norwegens und Russlands über den Grenzverlauf in der Barentssee "ein ernstes Sicherheitsrisko" gesehen.

Doch nicht der Wunsch nach Entspannung steht hinter der plötzlichen Einigung zwischen Moskau und Oslo. Die Arktisanrainerstaaten sind schlicht dabei, die Naturressourcen der Nordpolarregion untereinander aufzuteilen.

Einmischungen von "außen", wie beispielsweise die Forderung von Umweltschutzorganisationen und den Vertretungen der indigenen Völker nach Gremien, Gesetzen und Verträgen zum Schutz ihrer Rechte und der Region, sind da unerwünscht.

Die Mindestvoraussetzung ist dann allerdings, dass man beweist, die noch bestehenden Konflikte selbstständig und einvernehmlich lösen zu können; weshalb es nicht verwundern würde, wenn demnächst auch Dänemark und Kanada zu einer Einigung über ihren Grenzzwist vor Grönland kämen und wenn die USA und Kanada sich in Alaska über den strittigen Grenzverlauf in der Beaufortsee einigten.

Ist das erledigt, können die "Arctic Five" eine gemeinsame Front gegen alle Versuche bilden, der Nordpolarregion einen geschützten Status als "gemeinsames Erbe der Menschheit" unter internationaler Verwaltung zu geben. Der neue kalte Krieg, der die Arktis durch die Jagd nach Ressourcen zu zerstören droht, auch solchen, mit denen die Erdatmosphäre weiter aufgeheizt würde, er könnte eine ähnliche Bedrohung für die Zukunft der Menschheit darstellen wie die jahrzehntelange atomare Konfrontation.

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Lebt in Schweden, schreibt seit 1985 für die taz.

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