Greenpeace wirbt bei der WM

Solar Viewing für arme Dörfer

Südafrikas WM emittiert achtmal so viel CO2 wie die in Deutschland 2006, aber viele Südafrikaner haben nicht einmal Strom. Nun soll Sonnenenergie beide Probleme lösen.

Verschwendete Sonnenenergie beim Public Viewing in Durban. Bild: ap

JERICHO taz | Das südafrikanische Dorf Jericho liegt auf halbem Weg zwischen den WM-Austragungsorten Pretoria und Rustenburg, aber kaum jemand hier kann WM-Spiele sehen. Die meisten Einwohner sind arbeitslos und alt, sie haben kein Geld für WM-Tickets oder auch nur für Busfahrkarten, sie haben zu Hause keinen Fernseher, und wenn sie welche hätten, gäbe es nur selten Strom.

Nun können Jerichos Fußballfans die WM doch noch genießen: Die Umweltorganisation Greenpeace hat ein großes solarbetriebenes Public-Viewing-Areal in der Schulhalle errichtet. Schulkinder aus Jericho wurden extra ausgebildet, Sonnenkollektoren aufzubauen, und sollen die Dorfgemeinschaft über Sonnenenergie aufklären. "Wir finden, dass dies eine fantastische Art ist, CO2-Emissionen zu reduzieren und Strom aus Kohlekraftwerken mit sauberer, erneuerbarer Energie zu ersetzen", sagt Greenpeace-Aktivist Nkopane Maphiri.

600 Leute passen in die Halle der Schule, die mitten im Staub steht und bisher weder Strom noch fließendes Wasser bot. Jetzt aber hat sie ihre eigene Stromversorgung. Greenpeace will damit beweisen, dass die in Südafrika übliche, teure und umweltschädliche Stromgewinnung aus Kohle nicht der einzige Weg ist, um Energie ans Volk zu bringen.

Die WM war natürlich für die Ökoaktivisten eine ideale Werbegelegenheit. "Wir haben überprüft, was die WM für normale Südafrikaner bedeutet und wie wir sie dafür benutzen können, um unsere grüne Agenda zu befördern", so Maphiri von Greenpeace. Der lokale Journalist Amos Nkotsiaber ist darüber froh: "Ohne Greenpeace und Solarenergie wäre die WM wohl an uns vorbeigezogen."

25 Schulkinder haben an den Greenpeace-Ausbildungsprogrammen über Sonnenenergie teilgenommen. "Wir sind sehr froh, dass unsere Schule jetzt auch nach der WM Strom haben wird", sagt eine von ihnen, die 17-jährige Sharon Dikeledi. Ihre Schulkameradin Bridgette Morake, ebenfalls 17, meint: "Wir möchten dieses Projekt nutzen, um unsere Leute über erneuerbare Energien aufzuklären."

Mit dieser Initiative greift Greenpeace in die Debatte über die Umweltverträglichkeit der Fußball-WM ein. Kurz vor dem WM-Auftakt enthüllte eine Studie, dass die WM in Südafrika rund 2,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verursachen wird - achtmal so viel wie die WM 2006 in Deutschland. Der Grund für diese Kohlendioxidexplosion: Anders als Deutschland musste Südafrika den Großteil seiner Infrastruktur für die WM erst einmal bauen.

Dadurch steigt umgekehrt der Druck, die WM selbst so umweltfreundlich und CO2-neutral zu gestalten wie möglich. Zahlreiche Umweltprojekte rund um den Fußball sollen dafür sorgen, dass Südafrika insgesamt grüner wird, in Vorbereitung auf den Weltklimagipfel 2011, der in Südafrika stattfinden soll.

So wurden in den sechs WM-Austragungsorten 12 Werbetafeln, 60 Verkehrsampeln und 78 Straßenlaternen auf Solarkraft umgestellt. 100.000 WM-Touristen erhielten "Grüne Pässe" - 32-seitige Werbeprospekte über umweltfreundlichen Tourismus. 11 WM-Fußballteams kompensieren zudem ihre eigenen CO2-Emissionen, gesponsert vom Sportartikelhersteller Puma. Die Teilnehmerländer sind Algerien, Chile, Elfenbeinküste, England, Ghana, Italien, Kamerun, die Schweiz, Serbien, Südkorea und Uruguay.

Doch dies betrifft insgesamt lediglich 6.050 Tonnen Kohlendioxid, verursacht hauptsächlich von Flugzeugen und Bussen. Für Umweltaktivisten sind all diese Maßnahmen nicht ausreichend. So habe das südafrikanische Gastgewerbe, das stark vom WM-Tourismus profitiert, überhaupt nichts getan, kritisiert Maphiri. Das Pflanzen von Bäumen sei eine Sache, der Stopp weiterer Umweltzerstörung eine andere.

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