die wahrheit: Vor dem Abpfiff

Kurz vor dem Finale der Fußball-WM 2010 wird am Sonntag auf Beschluss des Allmächtigen die Welt untergehen.

BERLIN tazWie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen am Donnerstag zu erfahren war, hat Gott den eigentlich für 2012 aufgrund des dann endenden Maya-Kalenders geplanten Weltuntergang zwei Jahre vorgezogen. Der Weltuntergang wird schon am Sonntag, kurz vor dem Anpfiff zum Finale der Fußballweltmeisterschaft 2010, stattfinden.

Warum Gott seine willkürliche Entscheidung so getroffen hat, ist bislang unklar. Angeblich tue es ihm sogar leid für die Spanier und die Niederländer, die beide erstmals Weltmeister werden könnten, aber jetzt nicht werden, wie es hieß. Experten auf allen Kontinenten der Erde streiten nun darüber, ob es reine Bosheit des Allmächtigen ist oder ob ein höherer Plan dahintersteckt.

Aus protestantischen Kirchenkreisen verlautet inzwischen, dass Gott ursprünglich lediglich einen globalen Stromausfall beim Endspiel geplant hatte, doch sei ihm das dann doch zu langweilig erschienen. Auch die Verhagelung des Großereignisses durch einen Gewittersturm hätte seinen Vorstellungen einer Katastrophe plötzlich nicht mehr genügt.

Der Vatikan will sich noch nicht zu den Ankündigungen von höchster Stelle äußern, sondern erst einmal abwarten. Dass die unübersichtliche Situation etwas mit der gegenwärtig katastrophalen Lage der katholischen Kirche zu tun habe, bestritt ein Sprecher des Papstes in Rom vehement.

Der englische Astrophysiker Stephen Hawking kündigte derweil am Donnerstag spontan an, das Problem lösen zu können, wurde aber vom Buckingham Palace zurückgepfiffen mit der Begründung, England sei eh schon aus dem Turnier ausgeschieden, da müsse man sich nun nicht mehr mit dem Rest der Welt beschäftigen. Dennoch erläuterte Hawking kurz darauf in einer 38-seitigen Presseerklärung, die Welt würde vor dem Anpfiff des Endspiels keineswegs untergehen, sondern lediglich in ein schwarzes Loch gesogen werden, dessen Gravitation so hoch sei, dass die Fluchtgeschwindigkeit für die Welt ab einer bestimmten Grenze, dem Ereignishorizont, höher liege als die Lichtgeschwindigkeit.

Der deutsche Philosoph Jürgen Habermas kritisierte daraufhin Hawkings Theorie als "unvernünftig" und leugnete der taz gegenüber den bevorstehenden Weltuntergang: "In den nächsten drei Tagen wird die Welt keineswegs in ein schwarzes Loch gesogen." Zwar strahle die vollends aufgeklärte Erde im Zeichen triumphalen Unheils, so Habermas weiter, doch als Gebieter über die Natur gleichten sich der schaffende Gott und der ordnende Geist. Der Anpfiff zum Finale zwischen den Niederlanden und Spanien werde ganz normal vonstatten gehen und das Mannigfaltige werde quantitativ unter eine abstrakte Größe gestellt und vereinheitlicht, um es handhabbar zu machen. Das allerdings sei schon - das müsse er zugeben - so eine Art Weltuntergang.

Schließlich meldete sich noch eine weitere Geistesgröße zu Wort: Der Schauspieler Martin Semmelrogge wehrte sich gegen den Vorwurf, er sei bekifft Auto gefahren. Er habe gar keinen Führerschein, da könne er auch nicht gefahren sein. Und wenn die Welt kurz vor dem Endspiel am Sonntag untergehe, dann trage er daran nicht die geringste Schuld. Im Übrigen, so Semmelrogge weiter, tippe er für Sonntag auf Argentinien als Weltmeister: "Weil die das doch immer werden, oder?"

Gott selbst, der Verursacher der ganzen Verwirrung, sei nach Diktat verreist, gab sein neu eingestellter Assistent Fritz Teufel auf Nachfrage bekannt und verbat sich jedes weitere Wortspiel mit seinem Namen. Gespannt wartet die Menschheit nun darauf, was am Sonntag tatsächlich geschieht.

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