Neue Instant-Suchfunktion: Google weiß, was du suchst

Der Internet-Konzern krempelt seine Suchmaschine um: Künftig reichen wenige Zeichen aus, um erste Resultate zu erhalten. Doch das funktioniert nur, wenn man Google vertraut.

Schöne neue Google-Welt: Mit "Instant" führt die Suche schneller zum Ziel. Bild: ap

Noch immer ist die Suchmaschine Googles Hauptprodukt - und als wichtigster Umsatzträger das Brot- und Buttergeschäft. Dennoch traut sich der Konzern seit einigen Monaten diverse Veränderungen zu: In mehreren Schritten wurde das Angebot im Detail umgekrempelt, optisch aufgemotzt, mit neuen Funktionen erweitert und eine Echtzeitsuche in Blogs, Twitter und Co integriert.

Doch all das war nichts gegen den neuen Dienst, den Google-Suchmaschinen-Chefin Marissa Mayer am gestrigen Abend deutscher Zeit in San Francisco präsentierte. Mit Google Instant soll es künftig möglich sein, nach der Eingabe eines einzigen Buchstabens erste Ergebnisse angezeigt zu bekommen. Diese basieren auf einem Vorhersagealgorithmus, der unter anderem einbezieht, wo man sich gerade befindet und was man vorher alles gesucht hat.

Die Ergebnisse lassen sich sofort anpassen - dazu reicht die Eingabe weiterer Buchstaben oder das Annehmen von Vorschlägen mit den Cursor-Tasten. "Return" muss der Nutzer genauso wenig mehr drücken wie die "Suchen"-Taste per Mausklick betätigen. Einzige Voraussetzung ist ein moderner Browser wie Firefox, Safari, Google Chrome oder Internet Explorer 8. "Instant" ist dabei wörtlich gemeint: In der Demonstration war der neue Dienst enorm schnell, quasi verzögerungsfrei, zu nutzen.

Google Instant könnte, sollte sich das Angebot durchsetzen, auf das ganze Internet große Auswirkungen haben. So tauchen bei der Suche viel mehr Anzeigen auf als zuvor - einfach deshalb, weil sich mit jedem eingegebenen Zeichen die Ergebnisseite ändert. Dies dürfte Auswirkungen auf die Werbekosten haben, auch wenn Google betont, Reklametreibende bezahlten weiterhin pro Klick auf einen Werbelink.

Auch das Ranking der ersten paar Ergebnisse wird damit noch wichtiger als zuvor - Google Instant lädt nicht gerade dazu ein, auf die zweite oder dritte Ergebnisseite zu klicken, wenn man die ersten Treffer mit wenigen Tastendrücken anpassen kann. "Das wird die Experten für Suchmaschinen-Marketing eine ganze Weile beschäftigen", hieß es aus Fachkreisen bereits zur Vorstellung in San Francisco.

Die Anpassung der Suchergebnisse an einer Art virtuelle Mehrheitsentscheidung könnte auch zu einer Ausdünnung der ersten Treffer führen. So kann es beispielsweise sein, dass "W" künftig überall in Deutschland für "Wetter" steht, weil danach hierzulande am meisten gesucht wird, in Amerika aber für "Walmart". "Wer bestimmt, welche Marken da vorne sind?", fragte die Werbejournalistin und Bloggerin Irina Slutsky von "Ad Age". Die Amerikanerin hatte mit Google Instant auch aus einem anderen Grund ein Problem: Der Internet-Riese hat standardmäßig einen Suchfilter für die "Autovervollständigen"-Funktion eingeschaltet, der laut Angaben der Firma "Gewalt, Hass und Pornografie" ausfiltern soll. Slutsky, bei deren Name die ersten vier Buchstaben auch den unschönen englischen Begriff "Slut" ("Schlampe") ergeben, fand sich daraufhin per Google Instant nicht.

Der neue Suchdienst funktioniert zum Start nur bei der US-Suche, soll in der nächsten Woche aber auch in andere Länder exportiert werden, darunter auch Deutschland. Google Instant funktioniert nur dann, wenn der Nutzer mit seinem Google-Account eingeloggt ist. Da Google in diesem Modus den Nutzer noch einfacher verfolgen kann und beispielsweise ein umstrittenes Web-Protokoll aufschaltet, dürfte der Dienst so manchem Datenschützer noch graue Haare bereiten. Es ist jedoch auch gut möglich, dass Google Instant in einigen Monaten allen Google-Nutzern standardmäßig zur Verfügung steht. Bis dahin müsste sich der Dienst, der den Konzern viel Rechen- und Bandbreitenlast kosten dürfte, eingespielt haben.

Google-Managerin und bekennende "Sex and the City"-Freundin Mayer zeigte sich jedenfalls davon überzeugt, dass Google Instant eine Revolution für die Suche darstellen könnte. "Google Is Now On Crack", kommentierte das IT-Klatschblog "Valleywag". Fragt sich nur, ob die Nutzer da auch mitziehen. In Betatests sei Google Instant bei Jung und Alt sehr gut angekommen, hieß es von dem Konzern.

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