Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Wann wird Wolfgang Schäuble abtreten? Und Jürgen Kloppo endlich den Nobelpreis erhalten?

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Amis erzählen von tollen Drohnenangriffen, mit denen sie Terror gegen Europa anwehren. Und dass sie mehr Bankdaten, weniger Datenschutz, mehr Online-Zugriff auf Europa bräuchten.

Was wird besser in dieser?

Europa lernt 1 und 1 zusammen zu zählen.

32 Millionen Euro berechnetKarstadt-Insolvenzverwalter Görg für seinen 15-Monats-Job. Diese Summe mag zwar rechtens sein, aber ist sie verhältnismäßig?

Görg hofft, mehr als das 5fache seines Honorares an Schadensersatz aus Manager Middelhoff rauszuholen - dem u.a. diente die Großrazzia gegen den "Acandor" Manager letzte Woche. Verdacht: Middelhoff habe geduldet, dass der "Oppenheim-Esch" - Immobilienfonds fünf Karstadt - Häuser billig kaufte und zu tödlich hohen Tarifen zurückvermietete. Da hat der Karstadt - Slogan "Schöner Shoppen in der Stadt" mal was getaugt. Middelhofs "Management" war offenkundig eher Sterbebegleitung bis wirtschaftlicher Totschlag. Und wenn der Trick wirklich 175 Mio gebracht hat, deutlich besser bezahlt als die Insolvenzverwaltung. Der stünden per Gesetz gute 5 Mio zu, der Rest sind Zuschläge für die Führung von 120 Häusern, Verhandlungen mit über 1000 Gläubigern und schließlich die Prämie, den weißen Ritter Berggruen zu finden. Ob das soviel - Fachpersonal, zum Beispiel - kostet, kann ich nicht beurteilen. Sehr wohl hingegen kann ich mir vorstellen, dass Manager , die so was anrichten, dafür auch haften sollten. Warum muss Middelhoff noch Immobilienschwindel nachgewiesen werden, wenn das ungleich stattlichere Verbrechen offenbar ist ? Wir müssen uns mit Kleinkram wie Politikerverdruss nicht aufhalten, solange wir solche Wirtschaftsbosse haben.

Der Islam gehört zu Deutschland - eigentlich hat Bundespräsident Christian Wulff nichts Neues gesagt. Warum diese massive Kritik?

Den Sonntag über wurde die Rede als "harmlos" , "Sowohlalsauchismus" - "jedem wohl und niemand weh" belächelt in den meisten Medien. An nächsten Morgen stampfte unsere Nationalpetze BILD mit diesem Halbsatz auf dem Titel überm Bruch auf. Genau da, wo sie neulich lieber Gauck als Wulff haben wollte. BILD passt die ganze Richtung nicht, und in der Kampagne war auch Gauck nur ein nützlicher Irrer : es soll antikommunistischer zugehen, weniger multikulturell und Merkel soll die CDU weiter nach rechts rücken oder rücken lassen. Wulff hat in dem rustikal zusammengestümperten Satz über christliche, jüdische und nun auch islamische Kultur durch Verkürzung jähe Nähe zur Sinnfreiheit gefunden. Und natürlich sticht die "Roland Koch ins Kabinett" - Fraktion im Hause Springer da hinein.

Als "krasse Fehlbesetzung" und "Frühstücksdirektorin" hat die Opposition Maria Böhmer (CDU)bezeichnet. Die Integrationsbeauftragte des Bundes agiere in der Integrationsdebatte viel zu zaghaft. Stimmt das?

Der Integrationsbeauftragte heißt ja jetzt Wulff. Böhmer hat die Sarrazin-Debatte unterm Sofa verbracht, nun "Multikulti ist gescheitert" erklärt und insgesamt vor allem der SPD ein passendes Opfer geliefert, von deren Problemen beim Thema abzulenken. Armin Laschet, ihr CDU-Kollege aus NRW, genießt bei den Migrantenverbänden Ansehen und hatte als Minister - nicht Staatssekretär - Hausmacht. Merkel hingegen hat das Thema in Böhmer domestiziert. Als Koch gegen "kriminelle Ausländer" hetzte, schwieg sie. Böhmer ist gut integriert.

Die Politik reagiert ratlos auf die Erkrankung Wolfgang Schäubles: Wie lange darf ein Finanzminister fehlen?

Exakt so lange, bis diese Diskussion losgeht. Erstens müsste er selber sie austreten, sonst zweitens seine Chefin. Merkel hat Glück, dass Koch schon abgewunken hat, und Merz, nunja, seine Heilslehren haben nur einen Feind: die Realität. Merkel spielt auf Zeit, um einen Loyalissimus zu platzieren: Sie wird de Maiziere nehmen, wenn sie einen ebenso loyalen Innenminister gefunden hat. Schäuble wünsche ich von Herzen, dass er den Zeitpunkt selbst und aus freien Stücken wählen kann.

Und was machen die Borussen?

Trainer Jürgen Klopp bekam, zusammen mit Günther Jauch und RTL, den "Deutschen Fernsehpreis" für die WM-Präsentation. Nicht ganz so irrlichternd bizarr wie der "Ehrenpreis", der dann hinterher noch an die Nationalelf ging. Klopp und Jauch westen ab, für Jogis Jungs kam Atom-Olli und versuchte sein Glück zu fassen. Ja nun, wenn der Nobelpreis in Dortmund vergeben würde, bekäme Klopp den derzeit auch. FRAGEN: CAK

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