Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

China droht, Wolfgang Schäuble geizt, und die Deutschen sind ziemlich undiszipliniert.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: "Supertalent" präsentierte einen jungen Mann mit einer Feuerwerksrakete im Po.

Was wird besser diese?

Die Bundesluftwaffe präsentiert aktuelle Sparvorschläge, s. o.

Am Sonntag startet der CDU-Bundesparteitag. Was sollte dort unbedingt Thema sein?

Die CDU hat die 80er-Jahre-Konzepte Heiner Geißlers weitgehend umgesetzt. Sie ist weiblicher geworden, reklamiert eine bürgerlich-gönnerhafte Sozialpolitik für sich und bekommt so etwas Absurdes hin wie "die Bewahrung des Modernisierungsglaubens", also eine mildere Form von Ingenieursreligion. Sie hat weit und breit keinen Geißler links und keinen Strauß rechts; sie bleibt 30-plus-x-Partei. Merkels Idee heißt Merkel, mit einem Hauch FDP drin.

Wikileaks-Gründer Julian Assange erwägt politisches Asyl in der Schweiz zu beantragen. Sollen die ihn aufnehmen?

Auch Island komme in Frage, sagt er. Im "Journalistenparadies" Schweden mit seinem weitgehenden Quellenschutz läuft ein umstrittenes Ermittlungsverfahren gegen Assange. Wikileaks im Mutterland der profitablen Heimlichtuerei - das wäre ein Image-Coup für die Schweiz.

Finanzminister Schäuble hat es nach der Steuerschätzung schwer: Nun wollen alle mehr Geld von ihm. Schäuble hält sich trotzig an die Devise: "Mir gebbet nix." Wie lange wird er das durchhalten können?

Wer will noch Bohlen gucken? Hier ist "Deutschland sucht das inkompetente Pressereferenten-Frettchen, das nicht mal die Unterlagen rechtzeitig austeilen kann" mit Wolle Schäuble! So freut sich der Schwabe über 61 Mrd. Mehreinnahmen. Zugleich haftet der Steuerzahler für die HRE-Bad-Bank mit 190, für die WestLB-Bad-Bank mit 77 Milliarden, hat der Autoindustrie den großen Sommerschlussverkauf finanziert und Opel und Griechenland ordentlich einen ausgegeben. Also: dieser Aufschwung ist beim Steuerzahler gepumpt und den Ärmsten geklaut: Die Korrekturen bei Hartz ("5 Euro") haben 0,5 Mrd. gekostet. Schäuble hat recht. Hey … und Talent!

Wird die Strukturreform der Bundeswehr zu Guttenberg gelingen?

Herr Baron nähren nicht den Verdacht, sich sein Ego operativ verkleinern zu lassen. Bei Wehrpflicht, Auslandseinsätzen und dem Konzept des "Bürgers in Uniform" bastelt er unbekümmert an Fundamenten der Verfassung herum. Gestern noch bezog der Wirtschaftsminister Guttenberg ein komplettes Kreditwesen-Gesetz von den Bankrotteurs-Anwälten "Linklaters". Hauseigene Beamte dagegen sind dazu da, staatlichem Handeln Unabhängigkeit zu sichern. Und just die zivilen Beamten nennen seine Reform eine "Militarisierung des Ministeriums". Eine Berufsarmee, die von Militärs geleitet wird - das ist das Gegenteil dessen, was Deutschland seit 45 die längste Friedensphase seit zweihundert Jahren beschert hat. Guttenberg spart nicht, er baut um.

Friedrich Küppersbusch ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

China warnt andere Länder davor, an der Verleihung des Friedensnobelpreises an den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo teilzunehmen - und droht mit "Konsequenzen". Was könnten das für "Konsequenzen" sein?

Die chinesische Forderung, "nichts zu unternehmen, was China destabilisieren könnte", ist ein in dieser Dramatik unerhörtes Kompliment für den Nobelpreis und seinen Träger. Der chinesische G-20-Unterhändler sprach diese Drohung aus, dadurch erhält sie ein wirtschaftspolitisches Konnotat. Ich finde es klüger, sich die "Konsequenzen" nicht auszumalen, man macht sonst die Arbeit seiner Feinde. Und umgekehrt ein altes chinesisches Sprichwort: "Wer auf Rache aus ist, soll zwei Gräber graben."

Lange hat sich die Wirtschaft aus der Debatte über "Stuttgart 21" herausgehalten. Jetzt bricht eine Gruppe um BASF-Chef Hambrecht das Schweigen. Zu der neuen Unterstützerriege zählen auch Daimler-Chef Zetsche und Bosch-Chef Fehrenbach. Warum machen die das?

Die Zauberworte "Großprojekte" und "Infrastruktur" dominieren die Wortbeiträge; also das Gegenteil von "dezentral" und "vernetzt". Offenkundig Mitglieder des Traditionsvereins "Wir haben den Größten und zwar überall". Die soll man nicht unterschätzen. Merkel weiß, dass sie auf eine gefühlte Mehrheit zielt, wenn sie bei der Landtagswahl auf die Stuttgart-21-Befürworter setzt. Die "Durchsetzbarkeit von Großprojekten" stehe in Frage, sagen die - und richtig, selbst einen Atomausstieg bekommen die früher so disziplinierten Deutschen nicht mehr hin. Man muss sich schämen für diese ewigen Verhinderer.

Und was machen die Borussen?

Trainer Klopp möchte nicht, dass die Spieler sich auf die aktuelle "Überbelastung" rausreden. Das ist natürlich eine Überbelastung.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de