Kommentar Nordkorea: Nordkoreas gefährliches Spiel

An Provokationen aus Nordkorea hat sich die Staatengemeinschaft schon seit längerem gewöhnt. Nun jedoch sollten die Alarmglocken klingeln.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il hat es noch einmal geschafft, weltweit auf sich aufmerksam zu machen. Erst vor ein paar Tagen schockierten seine Techniker die Öffentlichkeit mit der Enthüllung einer nagelneuen Urananreicherungsfabrik, in der sowohl Material für Atombomben als auch für zivile Atomkraftwerke produziert werden kann. Jetzt ließ er seine Armee auf eine von Südkoreanern bewohnte Insel feuern.

Solche Aktionen und damit verbundene haarsträubende Drohungen gegen jeden, der es wagen sollte, Nordkorea anzugreifen, sind nicht ungewöhnlich für das Regime in Pjöngjang.

Man hat sich schon fast daran gewöhnt und spekuliert nur ein bisschen darüber, ob der jüngste Spross der nordkoreanischen Kim-Dynastie, Kim Jong Un, mit solchen Heldentaten vor der eigenen Bevölkerung und der ganzen Welt auftrumpfen und sich als künftiger starker Mann Nordkoreas zeigen will.

Aber: Wer immer hinter diesen jüngsten Aktionen steckt, hat etwas erreicht, was wirklich alle Alarmglocken klingeln lassen müsste.

Er hat erneut gezeigt, wie einfach es offenbar ist, sich das Know-how und die Maschinen für die Entwicklung von Atomwaffen zu besorgen - trotz aller Sanktionen der Vereinten Nationen und obwohl mächtige Staaten wie China und die Vereinigten Staaten von Amerika immer wieder erklären, dass sie eine "atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel" wollen. Ist es zu glauben, dass beide Länder - und der Nachbar Russland - es überhaupt nicht wissen, was nach Nordkorea geliefert wird?

Ein großer Teil dieses Wissens und der Geräte für das Atomprogramm sind unter dem Deckmantel der zivilen Atomenergie zu beschaffen. Nicht nur Regierungen wie die in Pjöngjang sind hinter der atomaren Bombe her.

Es ist ungeheuerlich und unverantwortlich, dass die wichtigsten Mächte im Poker um die Zukunft Nordkoreas, China und die USA, aber auch Russland, offenbar weiterhin auf Zeit setzen, weil sie sich nicht darauf einigen können, wie die Zukunft der Koreanischen Halbinsel aussehen soll, wenn sich das Regime der Kims einmal dem Ende entgegenneigt.

Dass die nordkoreanischen Militärs nicht nur Atomtechnik kaufen, sondern auch an jeden verkaufen können, der bereit ist, genug zu zahlen - davon muss man wohl ausgehen.

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Bis Anfang 2012 Korrespondentin der taz in China, seither wieder in der Berliner Zentrale. Mit der taz verbunden seit über zwanzig Jahren: anfangs als Redakteurin im Auslandsressort, zuständig für Asien, dann ab 1996 Südostasienkorrespondentin mit Sitz in Bangkok und ab 2000 für die taz und andere deutschsprachige Zeitungen in Peking. Veröffentlichung: gemeinsam mit Andreas Lorenz: „Das andere China“, wjs-verlag, Berlin

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