Picasso-Fund in Frankreich: Collagen aus dem Koffer

271 bisher unbekannte Picasso-Werke sind in Frankreich aufgetaucht. Der Sammler, ein pensionierter Elektriker, will ein Freund des Meisters gewesen sein.

Ausschnitt eines der nun aufgetauchten Bilder Picassos. Bild: dapd

PARIS taz | Nicht nur eine Überraschung, sondern geradezu ein emotionaler Schock sei es gewesen, auf einen Schlag so viele bis dahin völlig unbekannte Werke seines Vaters zu entdecken, erzählte Claude Picasso in Libération. Die französische Tageszeitung erzählt, wie diese Collagen, Gemälden, Zeichnungen und Skizzen von Pablo Picasso aufgetaucht sind, die für Verwirrung unter Experten und gerichtliche Ermittlungen sorgen.

Begonnen hat diese unglaubliche Geschichte demnach im Januar dieses Jahres, als bei der vom Sohn und Erbverwalter geleiteten Picasso-Administration in Paris ein seltsames Schreiben eintraf, mit dem ein gewisser Pierre Le Guennec ein Echtheitszertifikat für die auf 26 beigelegten Fotos abgebildeten Werke des 1973 in Frankreich verstorbenen spanischen Malers wünschte.

Kurz danach trafen ähnliche Briefe desselben Absenders mit weiteren Fotos mittelmäßiger Qualität ein. Sollte das ein schlechter Scherz sein? Claude Picasso war angeblich perplex. Er antwortete darum, es sei grundsätzlich nicht möglich, ausgehend von Fotografien die Echtheit zu beurteilen, er müsse dazu die abgebildeten Werke einem Augenschein unterziehen.

Am 9. September traf dann zu seinem wachsenden Erstaunen ein an der Côte d'Azur lebendes betagtes Ehepaar mit einem großen Koffer bei ihm an der Rue Volney ein. Dieser enthielt einen Kunstschatz von bisher unschätzbarem Wert: insgesamt 271 unbekannte Picasso-Werke aus der Zeit von 1900 bis 1932, darunter neun kubistische Collagen, die allein mehr als 40 Millionen Euro wert sein könnten, aber auch viele Zeichnungen, Lithografien sowie Skizzen und Studien für bekannte Gemälde.

Das war bereits auf den ersten Blick des Sachverständigen viel zu viel auf einmal und sah zu authentisch aus, um bloß das Werk eines geschickten Fälschers zu sein. Aber ebenso unglaublich erscheint die Erklärung des pensionierten Elektrikers, der angibt, er habe das alles von Picasso selbst, respektive dessen letzter Gattin Jacqueline, bekommen, als er für Picasso in den drei letzten Lebensjahren in dessen Villa La Californie und Schloss Vauvenargues arbeitete.

Für Claude Picasso ist dies eine absurd klingende Rechtfertigung, da sein Vater niemals eine derartige Menge von zum Teil undatierten und unvollendeten Werken aus der Hand gegeben oder gar verschenkt hätte. Plausibler scheint der Verdacht, dass diese Sammlung noch zu Picassos Lebzeiten oder kurz nach dessen Tod unbemerkt entwendet wurden. Le Guennec räumt auch ein, dass er die Alarmanlagen in Picasso letztem Wohnort, einer Villa in Mougins, installiert habe. Glaubte er vielleicht, dank der Verjährung von Kunstraub komme er ungeschoren davon?

In einem Polizeiverhör blieb der wortkarge Le Guennec dem Vernehmen nach bei seiner Version und beteuerte seine Unschuld. Picassos Erben haben nun vorsorglich Klage wegen Hehlerei eingereicht. Dieses Delikt wäre nämlich nach Meinung von Juristen nicht von der Verjährung betroffen, da die fraglichen Werke ja erst jetzt mit dem wahrscheinlichen Zweck eines Verkaufs aufgetaucht sind.

Allerdings müsste dann Le Guennec nachgewiesen werden, dass er wusste oder wissen musste, dass dieser Kunstschatz gestohlen war. Bis die Gerichte über das weitere Schicksal dieser für die Kunstgeschichte bedeutenden Werke entschieden hat, bleiben sie zum großen Bedauern aller Picasso-Freunde beim französischen Büro zur Bekämpfung des Handels mit geraubten Kulturgütern (OCBC) in einem Panzerschrank in Nanterre unter Verschluss.

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