Drohvideos im Internet: Islamist erhält Jugendstrafe

Ein 18-Jähriger warb mit Videos im Internet für Anschläge in Deutschland. Ein V-Mann soll ihn bestärkt haben. Jetzt muss er für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis.

Eigentlich wollte der 18-Jährige in den heiligen Krieg nach Afghanistan. Bild: dapd

SAARBRÜCKEN dpa | Weil er in Internetvideos mit Terror drohte und Anschlagspläne schmiedete, muss ein 18-Jähriger für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht Saarbrücken verurteilte den jungen Mann aus dem saarländischen Neunkirchen am Donnerstag zu einer Jugendstrafe.

Der geständige Konvertit entschuldigte sich für seine Taten. Er habe erkannt, dass der bewaffnete Kampf der falsche Weg sei: "Ich weiß nicht, ob ich eine zweite Chance verdient habe."

Der Angeklagte hatte gestanden, im vergangenen Herbst in Videos Anschläge in Deutschland angedroht und Pläne dafür erwogen zu haben. Damit wollte er die Freilassung des in Saarbrücken inhaftierten Daniel Schneider, Mitglied der sogenannten Sauerlandgruppe, einer Terrorzelle der Vereinigung Islamische Dschihad-Union, erpressen.

Der 18-Jährige, der am Donnerstag verurteilt wurde, war nach eigener Aussage durch islamistische Seiten im Internet radikalisiert worden. Ursprünglich wollte er in den heiligen Krieg nach Afghanistan ziehen. Als das nicht klappte, habe er Pläne für Bombenanschläge und Entführungen in Deutschland geschmiedet. Dabei sei er von einem V-Mann der Polizei bestärkt worden, sagte der Verurteilte aus.

Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann mit der Androhung von Anschlägen den öffentlichen Frieden gestört hat. Das Gericht zweifelte nicht, dass er seine Pläne umgesetzt hätte, wäre er dazu in der Lage gewesen. Es entschied sich gegen ein Aussetzen der Strafe zur Bewährung. Auch nach dem Geständnis seien die Zweifel nicht ausgeräumt, dass der Angeklagte auf freiem Fuß wieder eine ähnliche Straftat begehen würde: "Die Gefahr einer Fehlerprognose ist dem Gericht zu groß", sagte der Vorsitzende Richter, Peter Sander.

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