Kommentar Massenmast: Der Schrecken des Normalen

Herr V. ist in einem kranken Mastsystem ein systemkonformer und damit entsetzlicher Putenzüchter.

Es ist schrecklich. Es hört nicht auf. Die Bilder aus dem Emsteker Maststall werden nicht die letzten gewesen sein, mit denen Peta demonstriert, dass billiges Fleisch extrem viel kostet.

Neben erheblichen Bodenbelastungen, die nicht der Mäster und auch nicht sein Vertragspartner beseitigen, neben der deutlichen Luftverschmutzung, neben Arbeitsplätzen - denn in den Schlachtereien entstehen allenfalls prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die Megamastställe haben, mit einer handvoll Mitarbeitern, längst etliche Familienbetriebe vernichtet - neben dem sozio-ökonomisch katastrophalen Komplettabriss des ländlichen Raums und der durch massive Medikamenten-Vergabe erfolgten Züchtung multipel resistenter Erreger entstehen erhebliche Kosten auf einer ideellen Seite. Billigfleisch kostet Menschlichkeit.

Denn die Bilder von Peta zeigen erbarmungslos misshandelte Vögel. Sie sehen so aus, als wären sie einem Psychopathen in die Hände gefallen. Aber das sind sie nicht. Der Herr V. ist ein völlig normaler, systemkonformer Putenzüchter. Ein entsetzlich normaler. Ob er für Heidemark arbeitet, wofür vieles spricht, was aber bestritten wird, oder ob er einem anderen Marktteilnehmer zuarbeitet - spielt keine Rolle. Sein Gewissen ist rein, kann es sogar sein.

Für Entlastung sorgt auf beunruhigende Weise das industrielle Mastsystem: Das ist krank. Wenn es Heilung gibt, dann nur im Schrecken solcher Bilder.

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Jahrgang 1972. Seit 2002 bei taz.nord in Bremen als Fachkraft für Agrar, Oper und Abseitiges tätig. Alexander-Rhomberg-Preis 2002.

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