Kommentar Postkartenaktion: Im Ton vergriffen

Ungeziefer-Vergleiche stehen für die politische Kultur des Nationalsozialismus.

Keine Frage, mit ihrer Postkartenaktion hat sich die Hamburger Netzinitiative ein ordentliches Eigentor geschossen. Öffentlichkeitswirksam deutlich wurde das, als die Analogien entdeckt wurden, die zwischen dem Postkartenmotiv und antijüdischer Nazi-Propaganda aus den 1930er Jahren bestehen.

Seinen Ausgangspunkt aber hatte der Fehltritt bereits bei der Entscheidung, den politischen Gegner als Ungeziefer darzustellen. Auch ohne die Nazi-Propaganda zu kennen, hätte den Verantwortlichen klar sein müssen, dass sie damit eine Grenze in der politischen Kommunikation überschreiten.

Leider sind sie damit auch in jüngerer Zeit nicht alleine. Die IG Metall irritierte im Jahr 2005, indem sie eine Mücke mit Stars-and-Stripes-Hut zeigte zu der Zeile „Die Aussauger“ – gemeint waren US-Firmen in Deutschland. Franz Münteferings Vergleich von Finanzinvestoren mit Heuschrecken brachte es zu einer Monate überdauernden Popularität. Und auch im rechten politischen Lager gibt es den Ungeziefer-Vergleich im Umgang mit dem politischen Gegner. Stichwort: „linke Zecken“.

Im besten Fall sorgt der Fehltritt der Hamburger Netzinitiative dafür, dass mit Vergleichen dieser Art in der politischen Kultur sensibler umgegangen wird. Deutlich wurde nämlich, dass diese Vergleiche zwar nicht ihre Wurzeln, wohl aber ihre weiteste Verbreitung in der Zeit des in jeder Hinsicht kulturlosen Nazi-Terrors hatten.

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Jahrgang 1973, fing als Kultur-Redakteur der taz in Bremen an und war dann Redakteur für Kultur und Gesellschaft bei der taz nord. Als Fellow im Digital Journalism Fellowship der Hamburg Media School beschäftigte er sich mit der digitalen Transformation des Journalismus und ist derzeit Online-CvD in der Norddeutschland-Redaktion der taz.

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