WIE EIN VERLEGER DIE PRESSELANDSCHAFT AUFMISCHEN WILL

Deutsche Nachrichten

Das neue Magazin hat große Ziele: Mit dem „deutschen Nachrichtenmagazin“ Zuerst! will Verleger Dietmar Munier nicht weniger, als den vermeintlichen „Umerziehungsmedien“ Spiegel, Focus und Stern etwas entgegensetzen. „Jetzt ist es vorbei mit der Gemütlichkeit für diese linken Netzwerke“, erklärte Munier, dessen Verlagsgeflecht im schleswig-holsteinischen Martensrade ansässig ist.

Mit einer Auflage von 86.000 Exemplaren erschien Mitte Dezember die Januarausgabe. Werde das Hochglanzheft ein Flop, erklärte Munier gegenüber dem Internetportal gesamtrechts.net, „dann wird in den nächsten zwanzig Jahren nichts Vergleichbares mehr am Markt erscheinen. Und danach höchstens auf Türkisch.“

Im selben Interview griff Munier auch die wohl bekannteste rechtslastige Publikation an: Die Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) habe sich geweigert, eine bezahlte Anzeige der Zuerst! zu veröffentlichen – dabei, so Munier, habe die JF-Verlagsgesellschaft 2008 „bei gut 2 Millionen Umsatz einen Verlust von € 402.052,33 eingefahren“.

Innerhalb der extremen Rechten streitet man nicht nur deshalb über das neuen Medium: Für Götz Kubitscheck, verantwortlicher Redakteur der Sezession, ist Zuerst! vorerst etwas, „das wir nicht brauchen“. Auf Szene-Internetportalen wechseln Lob und Häme. So erkannte ein User im Zusammenhang der Zuerst!-Einführung den „üblichen rechten Vereinigungsrummel“ inklusive der „Ermahnung“, „keine Einwände vorzutragen“, weil das „der deutschen Sache schade“. Andere wiederum fragen, ob die Kritik nicht schlichtem Konkurrenzdenken geschuldet sei.

In Zuerst! bewirbt Munier diverse Produkte aus seinem Haus. Dass der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein bei Muniers Verlagswesen „in Teilen rechtsextremistische Bezüge“ sieht, blendet dessen Vertriebspartner übrigens aus – es ist der Hamburger Bauer Verlag.

Hinweis:ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland