Warum Neonazis nur verspätet deutscher Opfer gedenken

Misslungene Überraschung

Die Niederlage will sich die Neonazi-Szene nicht eingestehen: Am vergangenen Sonntag wollten NPD- und Kameradschafts-Aktivisten ihre inzwischen traditionelle Gedenkfeier zum Jahrestag des „Hamburger Feuersturms“ im Jahre 1943 ausrichten (taz berichtete). „Würdig“, so heißt es im einschlägigen Internetportal mein-hh.info, habe man auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf der Opfer der „verbrecherischen Luftangriffe“ gedacht.

Aber das eben nicht wie geplant am Sonntag: Erst tags darauf, sagt ein Polizeisprecher, seien „rund 20 Rechtsextreme vor dem Friedhof bei einem Ehrenmal aufgelaufen“. Hier nahmen sie Aufstellung, hielten Reden, wetterten gegen das zeitgleich auf dem Friedhof stattfindende Friedensfest: Dessen Ausrichter seien von der „Umerziehung“ beeinflusst. Ein Friedhofsgärtner will beobachtet haben, wie ein Kranz mit einer Schleifen – „Den Opfern des alliierten Bombenterrors“ – eilig bei den Sammelgräber niedergelegt wurde.

Am Samstag dagegen war das rechte „Gedenken“ weitgehend verhindert worden: Am frühen Abend waren rund 30 Neonazis, darunter die NPD-Landesspitze, Jan Steffen Holthusen und Torben Klebe, mit dem Auto am Mahnmal vorgefahren. „Bei solchen klandestinen Aktionen werden nur sehr vertrauensvolle Personen miteinbezogen“, sagt ein ehemaliger Neonazi über die recht kleine Zahl von Teilnehmern.

Die Überraschung misslang dennoch: Das Friedensfest-Bündnis – vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge über den Verein Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten bis zum Hamburger Bündnis gegen Rechts – hatte die Polizei vorgewarnt. Und so untersagten die Beamten auch dem ehemaligen DVU-Vizevorsitzenden Robert Valkovic den Zugang zum Mahnmal. „Das Fest ist jetzt erst recht ein Erfolg gegen das neonazistische Gedenken“, sagt Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts.

Hinweis:ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland