Verstoßene Poetin

COLLAGE Sozialkritische Filmbiografie einer Roma-Dichterin: „Papusza“ im Metropolis

Ihre Eltern wollten ihre Literatur nicht: Statt Lesen und Schreiben zu lernen, sollte die Tochter lieber Wahrsagerin werden. Denn die Schriftlosigkeit war Teil des Ehrencodex der polnischen Roma, denen die 1987 verstorbene Dichterin Bronisława Wajs, genannt Papusza – „Puppe“ – entstammte. Krzysztof Krauses Verfilmung ihrer Vita eröffnet das „Festival des Neuen Polnischen Films“ im Metropolis-Kino.

Hermetik war eine weitere Säule der polnischen Roma-Kultur: Dort galt als Verrat, was die 1910 geborene Dichterin über das harte Leben der Roma und deren Sehnsüchte schrieb. Das sollte niemand nach außen tragen, und so geriet auch der Autor Jerzy Ficowski in Misskredit, der Papuszas Gedichte edierte.

Noch härter traf es Papusza selbst, die zudem – noch ein Stigma – kinderlos war: Man schloss sie für 30 Jahre aus der Gemeinschaft aus. Die Dichterin brach zusammen, verbrachte Monate in der Psychiatrie und schrieb 17 Jahre lang nicht. Im Alter sagte sie, ohne das Schreiben wäre sie vielleicht glücklicher gewesen.

Von dieser Ambivalenz handelt der Film „Papusza“, der ein nicht linearer Mix aus biografischen Szenen und poetischen Landschaftsaufnahmen ist und sich zwischen alle Stühle setzt: nicht nur, dass er das harte Leben der Roma zeigt. Er thematisiert auch die Rechtlosigkeit der Frauen innerhalb der Sippe. Noch mutiger war es, diesen Film in Polen zu zeigen: Die Roma, dort in den 1950er-Jahren zur Sesshaftigkeit gezwungen, sind in Polen noch längst nicht anerkannt.

Dieser Film – als Requiem gedacht – habe gezeigt, „dass uns diese Menschen, die seit Jahrhunderten unter uns leben, fremd geblieben sind“, sagt Filmfest-Chefin Grażyna Słomka. Angesichts des Themas sei es sehr beachtlich, dass der Film in Polen 110.000 Zuschauer fand. „Er ist eine Bereicherung,“ sagt Słomka. Weil er – obwohl in Schwarz-Weiß gedreht – keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibe und die Roma-Kultur von innen zeichne.

„Wir wollten einen politischen Film machen“, sagt Co-Regisseurin Joanna Kos-Krauze. „Wir wollten einen ehrlichen Blick auf diese Gesellschaft zeigen. Und die ist sehr problematisch, insbesondere für Frauen.“  PS

■ „Papusza“ (OmU): Sa, 29. 3., 19 Uhr, Metropolis; www.filmlandpolen.de