Vom Umgang mit Hooligans

KOMMENTAR VON RALPH BOLLMANN

Die Aufarbeitung der Schuldfrage erweist sich einmal mehr als ermüdendes Ritual. Sie verlief gestern nach dem gleichen Muster wie schon zu jenen Zeiten, als sich die Autonomen statt in Rostock noch an jedem 1. Mai in Berlin-Kreuzberg zur Randale trafen. Da argumentiert etwa Linkspartei-Chef Lothar Bisky reichlich platt, schuld an der Eskalation sei auch die „Sicherheitshysterie“ von Innenminister Wolfgang Schäuble. Dabei war doch Biskys eigene Partei in Mecklenburg-Vorpommern noch an der Regierung, als die Vorbereitungen für den G-8-Gipfel in Heiligendamm anliefen. An der kompletten Einzäunung des Seebads störte die Schweriner Genossen zunächst nur, dass sich der Bund nicht angemessen an den Kosten beteiligen mochte.

Unterdessen versuchen zahlreiche Unionspolitiker, die Gewaltexzesse für ihre sicherheitspolitischen Zwecke zu nutzen: Sie fordern schärfere Gesetze oder erklären die Strategie der Deeskalation für gescheitert. Beide Seiten mögen glauben, ihrer jeweiligen Klientel solche Schaufensterreden schuldig zu sein. Der Vermeidung von Gewalt dienen sie damit nicht.

Eins ist sicher: Nach rund 1.000 Verletzten können die Verantwortlichen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Das werden weder Polizei noch Veranstalter tun. Der Schock saß tief genug, um auch ohne die Ratschläge der Parteipolitiker Fehler zu analysieren und Konsequenzen zu ziehen.

Ähnlich wie schon vor einigen Jahren in Kreuzberg, scheint nun auch in der globalisierungskritischen Bewegung der Punkt erreicht, an dem die Gewaltexzesse nicht mehr als Naturereignis oder gar als Bestandteil einer falsch verstandenen Revolutionsromantik hingenommen werden.

Ein bisschen ist es wie beim Fußball: Das Eingeständnis der Vereine, dass es ein Hooligan-Problem gibt, musste der Befriedung der Stadien vorangehen. Auch dort herrschte gegenüber den angeblichen Fans lange Zeit eine Toleranz, über die Außenstehende nur staunen konnten. Geholfen haben beim Fußball die Fanprojekte, in Kreuzberg das „Myfest“ mit Beteiligung der Anwohner. Was es braucht, sind keine Sprechblasen, sondern solche Formen der Einflussnahme und der Ausgrenzung von Gewalttätern.