TORSTEN LIEBERKNECHT, TRAINER

Der Vater des Erfolgs

■ 38, ist seit dem Jahr 2008 Trainer von Eintracht Braunschweig. Zuvor war er Spieler und Trainer der A-Jugend. Foto: dpa

Die Euphorie um die Fußballer von Eintracht Braunschweig ist momentan groß: Sechs Punkte aus den ersten zwei Saisonspielen hat der Aufsteiger ergattert, völlig überraschend steht er an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Keinen besseren Zeitpunkt gäbe es für die Aufwartung von Bayern München. Der Rekordmeister kommt heute Abend im DFB-Pokal nach Braunschweig, Anstoß ist um 20:30 Uhr.

„Die werden uns nicht unterschätzen“, sagt Torsten Lieberknecht, Trainer der Eintracht. „Denn auch die Bayern wissen: Es ist nicht ganz einfach, in unserem Stadion zu bestehen.“ Die Eintrittskarten für das Pokalspiel waren in wenigen Minuten ausverkauft, die Fans der Gelb-Blauen werden wie gewohnt für eine eindrucksvolle Kulisse sorgen. Lediglich zwei Heimspiele hat das Team in der vergangenen 3.-Liga-Saison verloren.

Vater des Aufschwungs aber ist der jugendlich wirkende Eintracht-Trainer Lieberknecht. Im Mai 2008 übernahm der vormalige A-Jugendtrainer die Mannschaft und rettete den Verein vor dem Sturz in die Viertklassigkeit. Mit einfachen Mitteln baute er in kürzester Zeit ein Team auf, das attraktiven Fußball bietet: Schnelles Umschalten zwischen Defensive und Offensive, Pressing, agiles 4-1-4-1-System. Mit diesem sollen auch die Bayern geknackt werden.

Noch wichtiger als eine Cup-Sensation aber wäre Lieberknecht nachhaltiger Erfolg. „Eintracht Braunschweig soll eine Marke werden, wie es Greuther Fürth ist“, sagt er. Ein Verein also, der aus der 2. Bundesliga nicht mehr wegzudenken ist. Auf dem besten Weg dazu ist die Eintracht: „Es ist gut fürs Selbstvertrauen, mit zwei Siegen zu starten“, sagt Lieberknecht. Als Geheimfavoriten für die Meisterschaft sieht er sein Team trotzdem nicht.

Letztmals gegen die Bayern gewonnen hat Braunschweig vor 29 Jahren und auch der letzte Sieg im DFB-Pokal liegt lange zurück: 2005 besiegte die Eintracht Borussia Dortmund 2:1 – auch dank eines Stromausfalls während einer Druckphase der Gäste, weshalb das Spiel für eine Viertelstunde unterbrochen werden musste. „Der Zeitpunkt hat gepasst“, gibt Lieberknecht zu. Dennoch habe er niemanden engagiert, der gegen Bayern am Stromstecker ziehe. „Der ganze Verein möchte sich doch von seiner besten Seite präsentieren.“

Am heutigen Montag wird Lieberknecht 38 Jahre alt. Seinen Geburtstag habe er selten feiern können, sagt er. Zu lange schon sei er im Profifußball aktiv, der rauschende Feste anfangs August nicht zulasse. „Ich erinnere mich jeweils erst an meinen Geburtstag, wenn meine Frau den Kuchen backt.“ Heute Abend werde er ihn mit ins Stadion nehmen. „Ich werde den Kuchen nach dem Spiel in der Garderobe essen“, sagt er – ihn mit den Spielern aber nur teilen, wenn die zuvor die Bayern aus dem Pokal geworfen haben. DENNIS BÜHLER